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Brünn - Die hippe Alternative zu Prag?

Brünn - Blick in eine Altstadtgasse

Brünn - Die hippe Alternative zu Prag?

Von Claudia Wiggenbröker

Brünn ist Tschechiens Second City. Die Stadt feiert sich als junge Alternative zum altehrwürdigen Prag. Tatsächlich gibt es neben moderner Architektur viele hippe Lokale zu entdecken.

Cities - Brünn

COSMO 18.02.2020 09:08 Min. Verfügbar bis 17.02.2021 COSMO


Zwischen Prag und Brünn gibt es einen offensichtlichen Unterschied: In Brünn halten sich am Wochenende noch jede Menge Einheimische im Zentrum auf. Die Prager meiden indes häufig die Altstadt, weil es dort von Touristen nur so wimmelt. "Brünn ist noch recht unentdeckt. Die Atmosphäre hier ist heimischer", meint auch Michael, der in einer der bekannten Bars in Brünn sitzt und einen Feierabend-Drink zu sich nimmt.

Brünn hat eine lebendige Ausgeh-Szene. Das mag auch daran liegen, dass ein Fünftel der Einwohner Studierende sind. Bekannt ist beispielsweise die Bar Super Panda Circus. Sie ist so aufgebaut wie eine Manege: Von jedem Platz aus blickt der Gast auf die Theke, wo Barkeeper die Drinks zaubern. Das Eis für die Cocktails wird mit der Hand geschnitzt; die Menükarten sind außergewöhnlich: Mal bekommt der Gast eine Vase mit Papierblumen vorgesetzt, in der jede Blume für einen Cocktail steht. Mal muss er mit dem Barkeeper darum würfeln, welcher Drink für ihn gezaubert wird.

Von der Villa zum Pferdestall

Als Wahrzeichen Brünns kann die Villa Tugendhat gelten, die früher ein Privathaus war. Sie wurde Anfang der 1930er Jahre von dem Aachener Architekten Ludwig Mies van der Rohe gebaut. Auftraggeber war das Ehepaar Tugendhat, das zur High Society von Brünn gehörte. Die Villa gehört zu den Pionierarbeiten des Bauhaus-Stils. Die Bauweise war damals eine Sensation: Architektur-Experten haben Artikel darüber verfasst, dass man in dem modernen Haus nicht leben könne. Das Ehepaar Tugendhat hat sich sogar dazu genötigt gefühlt, wieder mit Artikeln auf diese Diskussion zu antworten -schließlich hat das Paar mit seinen Kindern fast ein Jahrzehnt lang in der Villa gewohnt.

Dann floh die jüdische Familie aus Angst vor den Nazis. Die Nationalsozialisten nahmen die Villa daraufhin in Beschlag. "1945 kam dann die sowjetische Armee, die das Haus zum Teil als Pferdestall genutzt hat", erklärt Petr Dvorak vom Museum Villa Tugendhat. Danach wurde das Gebäude noch mehrmals zweckentfremdet, bis es schließlich zum Unesco-Welterbe und Museum wurde.

Brünn - Villa Tugendhat - Blick vom Garten auf das große Fenster

Touren Monate vorab buchen

Dieses Museum kann allerdings nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Die Touren sind klein, so will es der Denkmalschutz – und sie sind sehr beliebt. Mindestens drei Monate im Voraus sollte man buchen; die Brünner Tourismuszentrale empfiehlt sogar, vier bis fünf Monate vorab einen Termin zu sichern. Wer spontan unterwegs ist, hat dennoch eine Chance, an die begehrten Führungen zu kommen – allerdings muss er dafür den BrnoPas der Tourismuszentrale kaufen. Die Zentrale reserviert Plätze bei den Touren, die sie dann an Pass-Inhaber vergibt. Der Erfolg ist allerdings nicht garantiert. Der Pass ist dann trotzdem nicht nutzlos, er fungiert auch als Rabatt-Card und als Ticket für den öffentlichen Nahverkehr.

Ab in den Garten

Aber auch ohne Führung kann man einen Blick auf die Villa Tugendhat erhaschen: Der Garten des Hauses steht für jeden offen. Da das Gebäude eine riesige Glasfront hat, gewinnt man auch von außen einen guten Eindruck von dem Hot Spot. Danach empfiehlt sich die Einkehr in ein Brünner Café – beispielsweise ins Skog oder Monogram. Denn Tschechiens Second City ist bekannt für ihre Kaffee-Kultur. Jährlich finden Festivals zur Ehren der schwarzen Bohne statt. David Pokorný von der Tourismuszentrale hat eine Theorie, warum das Getränk gerade für Brünn so wichtig ist: "Brünn ist eine Studentenstadt – und Studenten brauchen Kaffee, um beim Lernen durchzuhalten." Brünn hat zwar bei Weitem nicht so viele Sehenswürdigkeiten zu bieten wie Prag – die Stadt ist aber einen Besuch wert. Ihr kleinen Gässchen laden zum Flanieren, ihre besonderen Lokale zum Genießen und ihre lebendige Atmosphäre zum Mitreißen lassen ein.

Stand: 18.02.2020, 06:00