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"2 Minuten" - Schwanger oder nicht schwanger?

"2 Minuten" - Samira recherchiert nach Geschlechtskrankheiten

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"2 Minuten" - Schwanger oder nicht schwanger?

Von Nele Posthausen

Die Serie "2 Minuten" dreht sich um den Moment, den ein handelsüblicher Schwangerschaftstest braucht, um ein Ergebnis anzuzeigen. Und um all die Erwartungen, Befürchtungen und Konflikte, die damit verbunden sind.

Frauen, Männer, Menschen mit und ohne Behinderung, lesbische Frauen, Menschen in offenen Beziehungen – irgendwie warten in der Serie so ziemlich alle auf das Ergebnis eines Schwangerschaftstests. Und nicht alle warten voller Vorfreude: "Fuck, was hab ich?" ruft Samira durch die Praxis der Frauenärztin, als die von einer "Fruchthöhle" spricht. Schwanger? Das darf nicht sein. Samira steht kurz vor dem mündlichen Staatsexamen in Jura, kurz vor dem Besuch bei der Oma im Iran. Also ein Abbruch?

"Paragraf 218 my Ass"

Der Paragraf 218 im deutschen Strafgesetzbuch ist der, der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland strafrechtlich regelt. Gerade erst haben wir deutschlandweit wieder Protest von Feminist*innen dagegen gesehen, die sagen: Abbrüche ins Strafrecht zu schreiben, allein das ist Gewalt am weiblichen Körper. Was mit dem Körper einer Frau passiert, das soll ihnen nach kein Gesetz regeln dürfen. Solche harten Fakten werden in der Serie "2 Minuten" sehr spielerisch, leider aber manchmal auch etwas platt verhandelt. In der Szene zwischen Samira und ihrer Frauenärztin sind sich zum Beispiel beide total einig, dass ein Abbruch eine gute Lösung ist.
In Wirklichkeit ist das aber ein Streitthema im Deutschen Gesetz, sowie zwischen Ärzt*innen, Politiker*innen und Bürger*innen seit Ende des 19. Jahrhunderts. Ganz zu schweigen von den aktuellen Debatten in europäischen Nachbarländern. Da wirken die sieben Minuten einer Episode in der Serie leider deutlich zu kurz, um diese verstrickten Konflikte lückenlos abzubilden.

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Diversität auf dem Bildschirm

 "2 Minuten" zeigt, dass schwanger werden eben nicht für alle Menschen mit Uterus unkompliziert klappt. Da ist zum Beispiel Kim: arbeitet in einem Kaffee-Laden, verkauft Brötchen, lebt in einer lesbischen Beziehung und möchte gern ein Kind: !Weißt du wie teuer eine künstliche Befruchtung ist?!, ruft Kim wütend aus der Toilette, als der Schwangerschaftstest mal wieder negativ scheint. „Das sind ganz schön viele Ei-Brötchen, die ich da verkaufen muss. Bis dahin habe ich gar keine Eier mehr!“

Neben diesem sehr breiten Blick auf die Frage nach schwanger oder nicht schwanger, ist „2 Minuten“ ein kurzweiliger Serientipp aufgrund seiner Kulisse und Besetzung. Alle Dramen in "2 Minuten" spielen sich im hippen Kiez von Leipzig ab. Auch der Cast ist jung, divers und irgendwie vertraut: Banafshe Hourmazdi kennen wir aus Futur Drei, Omar El-Saeidi ist vom "Tatort" bis zu "Cobra 11" schon in so ziemlich allen deutschen TV-Hits aufgetaucht und Luisa Wöllisch war in "Die Goldfische" dabei. Auch die Regisseurin Lisa Miller können wir uns schon mal merken: Die hat einen guten Blick für unterhaltsame Geschichten und moderne Erzählweisen.

Stand: 27.11.2020, 08:00