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"Wikileaks" - Die USA gegen Julian Assange

"Wikileaks" - Die USA gegen Julian Assange

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Wikileaks" - Die USA gegen Julian Assange

Von Emily Thomey

Gerade wird darüber verhandelt, ob der Gründer von Wikileaks, Julian Assange, an die USA ausgeliefert wird oder nicht. Wikileaks hatte unter anderem geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan veröffentlicht. Das ist jetzt zehn Jahre her. Die neue Dokumentation "Wikileaks - Die USA gegen Julian Assange" zeigt ein differenziertes Bild dieser Jahre.

Die Dokumentation ist nicht der erste Film über Assange und Wikileaks - sogar einen Spielfilm gibt es schon. Besonders an dieser Dokumentation ist, dass erstmals die Verlobte von Julian Assange spricht, Stella Morris. Sie hat ihn als seine Anwältin kennengelernt und mittlerweile zwei Söhne mit ihm, die wir auch in der Dokumentation sehen. "Wenn bekannt geworden wäre, dass ich seine Partnerin bin, dann wäre ich ein Hauptziel geworden," sagt sie direkt zu Anfang und meint das Hauptziel der Überwachungen.

Die Dokumentation zeigt detailliert, wie umfangreich Assange in den Räumen der Botschaft von Ecuador unter Beobachtung stand. Es gab Kameras in fast allen Räumen und später sogar Wanzen und Mikros, jedes Gespräch - selbst mit den Anwälten oder Psychotherapeuten - wurde aufgezeichnet und auch seine Unterlagen durchsucht sowie die Handys seiner Gäste.

All diese Informationen gingen tatsächlich an die USA, so zumindest wird vermutet. Auch wenn der Chef der Sicherheitsfirma das abstreitet. Assange ging es in den sieben Jahre in der Botschaft - vor allem zum Schluss - zunehmend schlechter, beschreibt der UN-Sonderbeauftragte für Folter, Nils Melzer: "Mr. Assange zeigt alle Symptome, die normalerweise eine Person zeigt, die längere Zeit psychologischer Folter ausgesetzt worden war."

"Wikileaks" - Die USA gegen Julian Assange

Nach einem Machtwechsel in Ecuador wurde es immer schwieriger für Assange, letztlich ist er von der britischen Polizei festgenommen worden - da sah er schon richtig verwahrlost aus und wurde in ein Hochsicherheitsgefängnis gebracht. Der Weg von den Veröffentlichungen bis zu seiner Verhaftung wird in der Doku aufgeschlüsselt, auch mit Videomaterial von den Kameras und vielen Interviews mit sämtlichen Personen, die für und gegen Assange argumentieren.

Abgesehen von der Person Assange, über die sich streiten lässt, geht es in diesem Fall um die Pressefreiheit. Das betonen seine Fürsprecher*innen, unter denen auch Edward Snowden in der Doku auftaucht, Assanges Vater oder der stellvertretende Chefredakteur der Zeit, der Assanges Fall schon lange beobachtet. Aber auch seine Gegner sehen darin einen Präzedenzfall. Beispielsweise Leon Panetta, ehemaliger CIA-Direktor: "Man kann nur hoffen, dass etwas gegen diese Leute getan wird, die so etwas veröffentlichen. Und dass man ein Exempel statuiert, damit andere nicht das Gleiche tun."

Bis zu einer endgültigen Entscheidung vor Gericht können aber noch Jahre vergehen. Die Verlobte von Assange, Stella Morris, fürchtet, dass Assange die weiteren Strapazen nicht überstehen könnte. Die Dokumentation zeichnet damit  ein vielschichtiges Bild von Assange und seinem Fall.

Stand: 09.09.2020, 12:00