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"Why Are You Like This?"- Identitätspolitik als Comedy-Serie

Why Are You Like This? - die drei WG Bewohner Mia, Penny and Austin, Screenshot Netflix

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Why Are You Like This?"- Identitätspolitik als Comedy-Serie

Von Emily Thomey

Identitätspolitik ist quasi schon gleichbedeutend mit Streit, vor allem in den sozialen Netzwerken. Umso interessante ist die australische Serie "Why Are You Like This?", die daraus eine Comedy macht.

Wenn jemand in den sozialen Netzwerken das Wort Identitätspolitik fallen lässt oder was damit zu tun hat - also Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, sexuelle Orientierung - ob von außen zugewiesen oder selbst gewählt - es wird auf jeden Fall gestritten.

Identitätspolitik mit Humor betrachten

Die einen streiten um gesellschaftliche Teilhabe, darum nicht für Aussehen, Geschlecht oder sexuelle Orientierung diskriminiert zu werden. Und andere beschweren sich darüber, dass der stete Hinweis auf die Unterschiedlichkeiten uns als Gesellschaft entzweien würde, statt Gemeinsamkeiten zu finden. Den Streit werden wir jetzt nicht lösen. Aber interessanterweise spielt die australische Serie "Why Are You Like This?" mit den Argumenten aus diesem Streit und macht darauf eine Comedy.

Das Leben dreier Millenials

Eigentlich geht es in dem Leben der drei Millennials Mia, Penny und Austin die ganze Zeit nur darum, sich für gegen Rassismus, Sexismus oder Homofeindlichkeit zu positionieren. Meistens übertreiben sie dabei maßlos und sind absolut taub gegenüber kritischen Hinweisen anderer. Penny beispielsweise möchte für ihre LGBTQI+Kollegen und Kolleginnen auf der Arbeit eine Party veranstalten, sucht nach Rat bei Daniel, der überhaupt nicht interessiert ist. Penny ist daraufhin fest überzeugt, dass Daniel nur deswegen so desinteressiert ist, weil er "homophob" sei. Als sie ihn auf einer Party konfrontiert, korrigiert sie ihr schwuler Freund Austin: Daniel ist schwul. Das hält Penny aber nicht davon ab auch bei der nächsten Gelegenheit wieder über das Ziel hinaus zu schießen.

Aus Fehlern lernen? - Fehlanzeige

Aus ihren Fehlern lernen die Figuren also gar nicht, was zur Serie passt und erfrischend ist. Die Belehrungen der drei laufen ins Leere oder werden von ihnen selbst auf den Kopf gestellt, wenn Mia einen Job auf einem Bauernhof kündigt, angeblich weil sie für die Rechte der Kühe einsteht und in der nächsten Szene einen fetten Braten zu sich nimmt. Keiner der drei schafft es, die eigenen vor sich hergetragenen Standards zu erfüllen und sämtliche moralischen Regeln, werden ad absurdum geführt. Der Fakt das Frauen oft in Meetings unterbrochen oder gar nicht gehört werden, führt für Penny beispielsweise dazu, dass sie auch nicht gestoppt werden darf, wenn sie Unsinn redet.

Die Moral aus der Geschichte

Wer sich noch nicht damit auseinandergesetzt hat, welche Konflikte es überhaupt gibt, der wird hier mit der ganzen Palette an subtilen bis offensichtlichen Rassismen oder Sexismen konfrontiert - zum Teil verpackt in dicke Klischees und alles immer mit humorvollem Unterton. Für alle anderen ist die Netflix-Serie „Why Are You Like This“ erfrischend, weil hier einfach alle Grenzen überschritten werden, man darüber lachen kann und es auch keine Moral der Geschichte gibt, außer: leichte Unterhaltung, bester Eskapismus.

Stand: 30.04.2021, 06:00