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"We Own This City" - Die Fehlbarkeit der Institutionen

Stand: 29.04.2022, 09:00 Uhr

"The Wire"-Macher David Simon hat eine neue Serie über Baltimore gemacht. "We Own This City" ist dokumentarischer als "The Wire", aber nicht weniger gut.

Von Emily Thomey

Anfang der 2002 haben ein paar Serien Geschichte geschrieben. "The Sopranos", "Six Feet Under" oder auch "The Wire" wurden als Qualitätsserien bezeichnet: komplexe Geschichten, hochwertig produziert. Serien sind seitdem nicht mehr nur die kleinen, unwichtigen Brüder des Kinofilms. Jetzt hat der Macher, David Simon, der damals mit "The Wire" so viel Erfolg hatte, eine neue Serie veröffentlicht. Auch sie spielt wie "The Wire" in Baltimore und handelt auch wieder von der sozialpolitischen Situation dort. "We Own This City" heißt die neue Serie, jetzt zu sehen auf SKY.

Auch diesmal hat sich David Simon die Polizei von Baltimore und ihre Arbeitsweisen vorgenommen und nutzt dafür das gleichnamige Sachbuch von Justin Fenton, der auch Simons Nachfolger als Polizeireporter in Baltimore ist.

Die Story: Eine Sondereinheit der Polizei, die Gun Trace Task Force, wurde eigentlich aufgestellt, um die Mordrate der Stadt zu senken, und wird selbst zum Zentrum eines Skandals. Aufgedeckt wird der unter anderem von der Anwältin Nicole Steele. Steele entdeckt auf dem Weg ihrer Recherchen, dass es sogar eine Liste von Polizisten gibt, gegen die immer wieder Beschwerden wegen Polizeigewalt eingereicht werden, die auch schon vor Gericht gelogen haben. Trotzdem sind sie weiter im Dienst. Der Druck, unter dem die Polizei in Baltimore steht, ist berechtigterweise sehr hoch. Im April 2015 wurde ein 25-jähriger Schwarzer in Polizeigewahrsam umgebracht: Freddy Gray. Nach dem Tod von Freddy Gray - ein realer Fall - gab es Straßenunruhen, noch mehr Gewalt und kaum noch Festnahmen, wie die Bürgermeisterin der Anwältin Steele erzählt.

Serienschöpfer David Simon taucht also wieder tief in die Struktur der Stadt ein und seziert, wie fehlbar die Institutionen sind. Nur wenige Menschen kämpfen wirklich für Veränderung. Zwischen "The Wire" und "We Own This City" liegen 20 Jahre - da hat sich natürlich viel getan, aber nicht zum Guten. Die Serie ist erstklassig besetzt und die Kamera ist mal elegant distanziert, mal künstlerisch ungewöhnlich. Erneut schafft Simon viele Erzählstränge über mehrere Zeitebenen hinweg, alle für sich spannend und unterhaltsam - und dokumentarischer als "The Wire". Mehr zu "We Own This City" hört ihr im Serienpodcast Glotz und Gloria!