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"Was mich nicht umbringt"

Was mich nicht umbringt - Ada, aus dem Fenster blickend, erzählt ihre Vergewaltigungsgeschichte

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Was mich nicht umbringt"

Von Emily Thomey

Mit neunzehn wird Ada vergewaltigt. Zehn Jahre später erstattet sie Anzeige. Der Dokumentarfilm fragt vierzehn Menschen, was sie empfinden, wenn sie die Geschichte von Ada hören. Ist sie Opfer oder Lügnerin?

Zusammen mit der Filmemacherin Alexe Poukine macht Ada eine Dokumentation über ihre Erlebnisse. "Was mich nicht umbringt" lässt die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen, zeigt die Grauzonen und macht damit sehr klar, was damals passiert ist und trotz #Metoo immer noch passiert. Alexe Pukine hat wirklich eine sehr interessante Form für die Dokumentation der Vergewaltigungsgeschichte gefunden: Sie hat vierzehn Menschen Adas Zeugenaussage in die Kamera sprechen lassen, in Ich-Form als wäre es ihre eigene Geschichte. Manche sind Schauspielerinnen, manche Laien, jüngere und ältere Frauen und auch zwei Männer. Der Mann, der Ada vergewaltigt hat, war der Exfreund ihrer Freundin, am nächsten Tag hat Ada ihn nochmal getroffen und zur Rede gestellt.

Das zweite Mal

Ada sagte ihm, sie müssten darüber reden. Er habe zugestimmt und sie sind zu ihm gegangen, wo er sie ein zweites Mal vergewaltigte, viel brutaler und länger als beim ersten Mal, hören wir ohne zu wissen, wer gerade vorträgt. Diesmal kann Ada weniger nacherzählen als beim ersten Mal, hat dafür aber mehr körperliche Erinnerungen - an Farben und Gerüche. Und dieses zweite Mal fällt ihr auch viel schwerer zu vergessen. Warum ist sie ein zweites Mal überhaupt mit ihm mitgegangen?

Das ist die Frage, die die Vortragenden in der Doku sich fragen - zwischendurch erzählen sie, wie es ihnen mit dem Erlebnisbericht von Ada geht, was er mit ihnen macht. Viele haben eigene Erinnerungen, wie dieser Mann: "Als ich ihr geschrieben habe, um zu wissen wie es ihr geht, hat sie geantwortet, dass sie nie wieder sehen will - das war der Moment, wo ich realisiert habe, was ich getan habe."

Sexualisierte Gewalt

Alle Erzählungen drehen sich um sexualisierte Gewalt - aus Sicht der Opfer, aus Sicht der Täter und eben auch von den Graustufen dazwischen, wenn nicht ganz klar ist, wer Verantwortung wofür trägt. Im Laufe der Dokumentation, durch die vielen Stimmen wird klarer, wer wo Verantwortung trägt - auch wie so komplexe, schwere auszuhaltende Gefühle wie Schuld und Scham wirken. Durch die Tätergeschichten wird auch deutlich, wie es zu solch brutalen Übergriffen kommt, wobei der Fokus nicht darauf liegt die Täter zu verstehen oder in den Mittelpunkt zu rücken. Es geht in „Was mich nicht umbringt“ vor allem darum, zu verstehen, was das mit Menschen macht, wenn sie vergewaltigt worden sind.

Stand: 23.09.2020, 10:00