"40 Jahre Aids – Schweigen = Tod" – Rückblick auf die Aids-Krise

"40 Jahre Aids – Schweigen = Tod" – Rückblick auf die Aids-Krise

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"40 Jahre Aids – Schweigen = Tod" – Rückblick auf die Aids-Krise

Von Noelle O’Brien-Coker

1981 wurde Aids erstmals beschrieben. Es folgte eine globale, tödliche Epidemie, die vor allem schwule Männer traf. Die Suche nach Medikamenten lief parallel zum Kampf gegen Stigmatisierung, wie die arte-Doku "40 Jahre Aids – Schweigen = Tod" zeigt.

Anfang der 80er Jahre ist Dirk im Teenie-Alter, hatte gerade sein Coming-out, als die Nachricht von einer tödlichen neuen Krankheit ihn erreicht. Durch eine Reise in die USA erlebt er später hautnah mit, was es bedeutet, AIDS zu haben: Der Partner seines Gastgebers stirbt stark geschwächt, während Dirk dort ist.

Bedrohung für Leib, Leben und Freiheit


Zurück in Deutschland zieht es ihn nach Berlin. Das HI-Virus hat es nun auch in die großen Städte der Bundesrepublik geschafft. "Und die Freunde in Saarbrücken haben natürlich alle gesagt: Wie kannst du jetzt nach Berlin ziehen, da gibt es Aids, da wirst du sterben. Und ich bin schon mit einem flauen Gefühl im Magen nach Berlin gefahren." Betroffene, Zeitzeugen und Ärzte erzählen in der arte-Doku "40 Jahre Aids – Schweigen = Tod" sehr eindringlich, wie die die Zeit der Aids-Krise erlebt haben. "Ich habe das wirklich als persönliche Bedrohung empfunden", erzählt etwa der Arzt Dietmar Schranz im Rückblick. Eine Bedrohung für Leib und Leben – aber auch für den Lebensstil und ein erfülltes Sexleben.

Kampf gegen ein Virus und gegen Stigmatisierung


Bis in den 90ern die Aids-Krise mit Medikamenten nach und nach immer beherrschbarer wird, vergehen Jahre des fieberhaften Forschens, in denen tausend Menschen sterben. Gleichzeitig läuft auf gesellschafspolitischer Ebene der Kampf gegen die Stigmatisierung. Von der "Homo-Lustseuche" war zum Beispiel in der BILD die Rede, erzählt Dirk. "Es gab auch den Spiegel, der massiv Hetze betrieben hat. Und Horst Seehofer meinte, man müsse die Infizierten konzentrieren in Lagern!". Ergänzt werden die aktuellen Interviews durch sehenswertes Archivmaterial, das veranschaulicht, wie Teile von Gesellschaft und Politik Stimmung insbesondere gegen schwule Männer gemacht haben.

Trauma einer Generation


Durch eine letztlich doch recht progressive Politik und intensive Aufklärungsarbeit konnten die Infektionszahlen in Deutschland – wo die Doku zentriert ist – vergleichsweise niedrig gehalten werden. Heute ist eine HIV-Diagnose in der Bundesrepublik zum Glück kein Todesurteil mehr und HIV-Positive sind mit entsprechenden Medikamenten nicht ansteckend.

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Trotz dieser guten Wendung sind Scham und Vorurteile noch immer nicht vollständig verschwunden, auch davon erzählt der Film. Besonders eindringlich zeigt er: Die Epidemie hat auch bei den Überlebenden intensive Spuren hinterlassen – Spuren der Angst, des Verlusts und der Ausgrenzung. Ein sehenswerter Rückblick, der zugleich daran erinnert, wie destruktiv Stigmatisierung aus Angst ist.

Stand: 02.12.2021, 16:00