Live hören
Jetzt läuft: Schiebedach von Jamule

"Tschick" - Geniales Roadmovie von Fatih Akin

Tschick

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Tschick" - Geniales Roadmovie von Fatih Akin

Von Nora Wilker

In der Corona-Zeit können wir endlich alle Filme gucken, die wir in den vergangenen Jahren im Kino verpasst haben. Zum Beispiel "Tschick" von Fatih Akin.

Maik ist unglücklich verliebt, hat keine Freunde in seiner Klasse und seine Aufsätze kommen beim Deutschlehrer auch nicht so richtig gut an. Als er in den Sommerferien im Pool seiner Eltern abhängt, taucht sein neuer Klassenkamerad Tschick in einem geklauten Auto - einem himmelblauen Lada - in seinem Garten auf. Tschicks Idee ist es, gemeinsam abzuhauen - am liebsten in die Walachei, wo sein Großvater lebt.

"Walachei ist nur ein Wort, genau wie Dingenskirchen. Wenn du also sagst, er wohnt in der Walachei, meinst du damit, er wohnt in der Pampa", erwidert Maik. Also machen die beiden sich auf, aus Berlin einfach erst mal Richtung Süden, auf Landstraßen zwischen weiten Feldern und Wiesen quer durch Ostdeutschland. Tschick sagt, Landkarten seien was für Muschis.

Tschick

Als sie vor einem Windrad auf einem Acker Mittagessen wollen, packen sie ihren Proviant aus: Dosenravioli und Tiefkühlpizza. Vergessen haben sie nur, dass sie auf dem Feld weder Öffner noch Ofen finden. Statt zu essen, schießen die beiden lachend die Tiefkühlpizzen wie Fußbälle über den Acker und rasen später wie verrückt mit dem Auto durch Maisfelder.

Auf ihrer Reise geht es nicht darum, irgendwo anzukommen, ungeachtet dessen, ob es die Walachei nun gibt oder nicht. Vielmehr verbindet die beiden das Gefühl, dass sie nichts zu verlieren haben. Maik hing, bis Tschick auftauchte, alleine in der Villa seiner Eltern rum. Seine Mutter ist alkoholabhängig, ist regelmäßig in Entzugskliniken und sein Vater ist mit seiner jungen Assistentin, die sich als seine Liebesaffäre entpuppt, spontan in den Urlaub gefahren. Tschick ist Waisenkind und kommt oft betrunken in die Schule - als 14-Jähriger.

Trotz dieser schwierigen Verhältnisse ist der Film alles andere als traurig. Der Zuschauer erlebt einen aufregenden Trip, mit dem sich die Jungs vom Alleinsein oder Außenseitersein lösen. Der Film vermittelt ein Gefühl von jugendlichem Leichtsinn, Freiheit und vor allem Freundschaft. Und das mit superwitzigen und cleveren Dialogen zwischen den beiden, die Fatih Akin zum Großteil aus dem bekannten Roman von Wolfgang Herrndorf übernommen hat.

Stand: 08.04.2020, 10:00