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Das Leben In einer Stadt namens Wahrheit oder Pflicht

Film: "Truth or Consequences" - ein Mann fegt

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Das Leben In einer Stadt namens Wahrheit oder Pflicht

Von Emily Thomey

"Truth or Consequences" hießt eine US-Radioshow, jetzt heißt eine Stadt in New Mexiko ebenso. Der gleichnamige Dokumentarfilm zeigt, wie es sich dort lebt.

Es gibt ganz seltsame Namen: Die "Road to Nowhere" beispielsweise, die "Straße ins Nirgendwo". Oder die "Useless Islands" -"Die nutzlosen Inseln". Und es gibt auch eine Stadt, die heißt: "Truth or Consequences" - übersetzt am ehesten so was wie "Wahrheit oder Pflicht", was wir ja auch als Partyspiel kennen. Der gleichnamige Dokuemtarfilm Truth or Consequences“ zeigt das Leben in dieser Stadt im Südwesten der USA. Der Film läuft aktuell auf dem renommierten DOK Leipzig Dokumentarfilmfestival und ist dort noch bis morgen im Stream zu sehen.

Wie die Stadt zu ihrem Namen kam

Der Moderator hatte zum zehnjährigen Geburtstag der beliebten Radioshow die Idee, dass er aus der Stadt seine erste bundesweite Livesendung senden würde, die sich in "Truth or Consequences" umbenennen würde. Die Bewohner*innen einer Kleinstadt haben das Rennen gemacht und wohnen seitdem nicht mehr in Hot Springs, sondern in Truth or Consequences oder T or C, wie sie es gern abkürzen. Die Doku zeigt diese Stadt durch die Augen von vor allem fünf Bewohner*innen und fokussiert auch auf den ersten privaten Weltraumflughafen, der den Traum von Tourismus im All wahr werden lassens soll.

Ungewöhnliche Menschen in einer ungewöhnlichen Stadt

Die Regisseurin Hannah Jayanti zeigt vor allem sehr ungewöhnliche Menschen am Rande der Gesellschaft: George, der auf einer Schrotthalde lebt und sich sehr über kleine Murmeln freuen kann, die er inmitten von Glass Schutt findet. Olin, dessen Mutter nur eine einzige Schallplatte besaß und nie ein Buch gelesen hat, oder Yvonne, die früher mit Wildkatzen im Zirkus gearbeitet hat und schon einmal von einem Tiger gebissen wurde.  Yvonne konnte gerade noch ihren Kopf zurücknehmen und so ihre Nase und ihre Lippen retten, wurde also "nur" ins Kinn gebissen.

Alle erzählen sehr persönlich, auch von vergangenen Traumata, weinen vor der Kamera und lassen uns tief in ihre Leben schauen. Nebenbei sehen wir noch historisches Archivmaterial von der Gegend und Aufnahmen aus der Luft, die so wirken als wäre der Weltraumflughafen schon geöffnet. Also eine Art essayistische Science-Fiction-Dokumentation. Sie ist nicht erklärend in irgendeiner Form, sondern künstlerisch auch in der Bearbeitung der Bilder, die manchmal mehr wie verpixelte Computerspielsimulationen aussehen, manchmal eher meditativ sind. Insgesamt poetisch und gut gemacht.