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Mission Wahrheit: Die New York Times vs. Trump

Doku: New York Times vs. Trump

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Mission Wahrheit: Die New York Times vs. Trump

Von Emily Thomey

Es vergeht fast kein Tag, ohne dass über den Präsidenten der USA berichtet wird. Nicht nur, weil es der Präsident einer der wichtigsten Weltmächte ist, sondern auch weil es Trump ist.

Der größte Gegenspieler in Trumps Augen ist die New York Times, die noch die größte Zeitungsredaktion der USA ist und zweifelsfrei eine der einflussreichsten. Gerade könnt ihr euch eine Doku-Serie über die New York Times im ersten Jahr der Trump Präsidentschaft anschauen. Sie läuft im Netz - und sehr gut.

Mittendrin im Wahnsinn des Redaktionsalltags

In "Mission Wahrheit" sind wir so nah an den Reporter*innen und Redakteur*innen der New York Times dran, als würden wir dort arbeiten: Wir sitzen mit in den Redaktionssitzungen, sehen wie zwischen Tür und Angel neue Enthüllungen über Trump belegt und dann getwittert werden und erleben Leute, die wie Maggie Haberman, Trump schon seit vielen Jahren begleiten und über ihn berichten: "Er wurde reich geboren. Sieht das aber nicht so. Er betrachtet sich als jemand der es nach oben geschafft hat. Und der von den New Yorker Eliten, den Geschäfts- und Immobilienleuten trotzdem nicht ernst genommen wurde. Und jetzt sitzt er in der wichtigsten Immobilie des Landes und sie nehmen ihn immer noch nicht ernst." Haberman telefoniert auch mal während der Doku mit Trump, wir schauen ihr dabei über die Schulter und hören Trumps Stimme durch den Telefonhörer.

Geschichtsunterricht To Go

Näher kann man den Ereignissen also nicht kommen. Arte zeigt die synchronisierte Fassung. Und das ist auch gut so, denn im Original kann man schon mal den Überblick verlieren bei all den Reporter*innen und Redakteur*innen, die die oscarnominierte Regisseurin Liz Garbus begleitet. Natürlich sind die so drin in der US-Politik, dass sie mit Namen und Ereignissen nur so um sich werfen. "Mission Wahrheit" sortiert das zum Glück sehr gut, so dass es wie eine kleine Geschichtsstunde wirkt - nur unterhaltsamer.

Doku: New York Times vs. Trump

Geschichte wird geschrieben

Dean Baquet, der Chefredakteur der New York Times, vergleicht die Arbeit seiner Zeitung auch mit der von Geschichtsschreibern: "Große Historiker brauchen manchmal ein Jahrzehnt, um ein Buch zu schreiben über etwas, was in der Geschichte eines Landes nur ein kurzer Moment ist. So etwas Ähnliches machen wir jeden Tag. Es ist eine schwierige Zeit für uns Journalisten - aber auch eine aufregende. Heute lesen uns täglich mehr Menschen als je zuvor."

Überlebenskampf trotz Erfolg

Gleichzeitig sehen wir, dass die New York Times trotzdem schrumpft, Leute entlässt und Büroräume aufgibt. Die New York Times hat zwar Erfolg verdient aber nicht genug Geld. Das ist auch ein Teil der Geschichte in der Doku-Serie "Mission Wahrheit": Die New York Times wird mehr gelesen denn je und muss trotzdem Redakteur*innen entlassen und Büroräume abgeben. Überleben kann sie nur, weil so viele Reporter*innen wie Michael Schmidt ihr ganzes Leben ihrem Job widmen: "Ich bin Single, ich lebe alleine, ich habe keinerlei Verpflichtungen. Ich lebe für meine Arbeit. Ich habe nicht einmal was zu essen im Haus." Die Doku-Serie "Mission Wahrheit" ist so spannend wie "House of Cards" - nur aus Sicht der New York Times und natürlich ist hier alles Realität.

Stand: 07.11.2018, 12:26