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"Transamerica" - Roadmovie mit einer Transgender-Frau

Transamerica - Videostill, Mutter und Sohn auf einem Roadtrip

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Transamerica" - Roadmovie mit einer Transgender-Frau

Von Emily Thomey

Roadmovie mit einer Transgender-Frau, die vor der Geschlechtsumwandlung ihr Leben und das ihres Sohnes ins Reine bringt.

Immer noch gibt es erstaunlich wenige Filme und Serien über transsexuelle Menschen. Mir fällt da vielleicht noch die Serie "Transparent" ein, die sogar mehrere Emmys gewonnen hat. Es gibt aber einen Film, der richtig gut ist und den ihr jetzt gerade online sehen könnt: "Transamerica" heisst der und handelt von einer Transfrau, also einer Frau, die mit dem Körper eines Mannes geboren wurde.

Die Schauspielerin Felicity Huffman, die Sabrina aka Stanley spielt, ist einfach richtig gut und vor allem glaubhaft. Sie macht aus Sabrina eine zarte, sehr auf ihr Äußeres bedachte Frau, die wirklich alles dafür tut auch als Frau wahrgenommen zu werden. Aber genau das will nicht so richtig gelingen. Eine große Hilfe für Sabrinas neues Leben ist ihre Psychotherapeutin, der sie dann auch von einem besonderen Anruf erzählt: "Er behauptet er sei Stanley’s Sohn. Also mein Sohn."

Vaters Sohn, Mutters Sohn

Sabrina ist also Vater von einem Teenager namens Toby, der sich auf New Yorks Straßen mit Drogen und Prostitution durchschlägt und deswegen im Gefängnis gelandet ist. Ihre Psychotherapeutin zwingt sie dazu, den Sohn zu treffen und ihr Druckmittel ist sehr wirksam: Ohne die Unterschrift der Therapeutin kann Sabrina die Geschlechtanpassungs-OP, auf die sie sehnlichst wartet, nicht machen.

Die Therapeutin begründet ihre Bedingung für die Unterschrift damit, dass Sabrina wirklich zu der Geschlechtsumwandlung bereit sein und keine Altlasten mit in ihr neues Leben nehmen solle. Für Sabrina beginnt mit der Reise von New Work, wo sie Toby aus dem Gefängnis holt und zurück nach Los Angeles nimmt, ein Road Trip, den sie sich oft anders wünscht. So lange es geht, verrät sie ihrem Sohn nicht, dass sie sein Vater ist, sondern tut so als sei sie von irgendeiner Kirche, die den Jungen aus Wohltätigkeit freigekauft hat.

Geschlechtsanpassung mit Hindernissen

Sie hat aber auch nicht so viel Geld, dass die beiden sich getrennte Zimmer leisten können und müssen auch mal bei Freunden von Freunden unterkommen, was zu echt lustigen Situationen. Einmal sind die beiden plötzlich Teil einer privaten Party von Transsexuelle, die das ganz offen feiern. Für die etwas steife Sabrina ist zu viel, weil sie dachte die transsexuellen Freunden, bei denen sie da gelandet sind, würden nicht so offen mit ihrer Transsexualität umgehen.

Eine Kritik, die Filme und Serien über transsexuelle Menschen sich oft gefallen lassen müssen ist, dass sie nicht authentisch. Felicity Huffman ist selbst keine Transfrau und das kann man definitiv auch kritisieren: Es gibt genug gute Schauspieler*innen, die mit mehr persönlichem Wissen die Rolle hätten übernehmen können. Aber Felicity Huffman macht ihren Job in "Transamerica" richtig gut, ist vielfach für ihre Rolle als Sabrina mit Preisen ausgezeichnet worden und war auch für den Oscar nominiert. Der Film ist in dem Sinne ein lohnenswerter Wegbereiter für die noch kommenden Filme über transsexuelle Menschen, die dann hoffentlich auch selbst die Rollen spielen werden.

Stand: 31.10.2018, 14:00