"Things we dare not do"- Trans* in Mexiko

"Things we dare not do" - Arturo tanzt mit Kindern auf der Straße.  Screenshot aus dem Trailer

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Things we dare not do"- Trans* in Mexiko

Von Emily Thomey

Das DOK.fest München zeigt über 130 Filme. Wer soll da den Überblick haben? Wir natürlich. Der erste Tipp heißt: "Things we dare not do".

Über ein Jahr stecken wir in der Corona-Krise, wie ihr unschwer alle bemerkt haben werdet. Damit zeigt auch das Filmfestival DOK.fest München schon zum zweiten Mal alle Filme online, statt im Kinosaal. Gut für uns! So können wir ohne die Reise nach München dabei sein. Die Auswahl der Filme, die ihr seit heute und noch bis zum 23. Mai sehen könnt, ist riesig: 131 Filme aus 43 Ländern.

Als erstes empfehle ich euch heute die Dokumentation "Things we dare not do". Übersetzt heißt das so viel wie: "Dinge, die wir nicht wagen zu tun" und zeigt das mexikanische Dorfleben aus Sicht einer Trans* Frau. Wie der Titel schon suggeriert, ist Mexiko nicht gerade ein sicherer Ort für Trans* Frauen ist. Mexiko ist sogar das zweit gefährlichste Land für Trans* Menschen weltweit, so die Statistik. Nur in Brasilien sind im letzten Jahr mehr Trans* Personen ermordet worden. Die meisten Morde werden außerdem weder polizeilich noch medial aufgearbeitet. Dann sind es außerdem vor allem Trans* Frauen und People of Colour, die Opfer dieser Gewaltverbrechen werden. Das ist in dem Dokumentarfilm aber erstmal nicht zu sehen.

Arturo, genannt Ñuño

Im Mittelpunkt sehen wir stattdessen Arturo, liebevoll Ñuño genannt, die mit den Kindern ihres Dorfes tanzt und spielt und sich heimlich am Wasser schminkt und Kleider anzieht. Schon so oft hat sie darüber nachgedacht, es ihren Eltern zu sagen und immer wieder verschiebt sie es, erzählt sie. Natürlich aus Angst, was die Eltern und ihre Geschwister sagen werden. Offen gesprochen wird darüber in der Dokumentation quasi nur zwei Mal. Ñuño’s Wunsch, sich zu outen ist aber in jeder Szene präsent.

Wenn sich alle auf ein Dorffest vorbereiten, den Platz dekorieren, sich schick machen beispielsweise. Aber Ñuño schweigt - und trotzdem wird sie angepöbelt, wenn sie auf dem Dorfplatz nachts tanzt oder am Tag in den Straßen der nächsten großen Stadt läuft. Ñuño lässt sich oberflächlich davon nicht beeindrucken, aber ihr Schweigen sagt an der Stelle natürlich viel mehr. Die Spannung, wann und wie sie sich outen wird, schwingt die ganze Zeit mit, genauso wie die stete Bedrohung, dass jemand gewalttätig wird.

Die Dorfgemeinschaft

Einerseits hat der Film was sehr meditatives, sommerlich unbeschwertes und andererseits ist diese unterschwellige Anspannung allgegenwärtig - das ist ein interessanter Gegensatz. Dann ist der Filmemacher so nah an Ñuño, wie man nur sein kann und fügt sich auch in die Dorfgemeinschaft so ein, dass wir wie ein Teil von ihr den Alltag beobachten können.
Erschütternd ist zu sehen wie fast schon nebensächlich sogar die kleinen Kindern mit der rohen Gewalt, die am Rande im Film auftaucht, umgehen, die am Rande im Film auftaucht und in Mexiko zum traurigen Alltag gehört. Das gibt uns eine Ahnung davon, wie mutig Ñuño tatsächlich ist, wenn sie weiter ihren Traum verfolgt, sich eindeutig als Frau zu kleiden und zu zeigen.

Stand: 05.05.2021, 06:00