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"Them" - Rassismuskritik als Horrorserie

"Them" - Haus der Familie mit Voodoo-Puppen umstellt

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Them" - Rassismuskritik als Horrorserie

Von Emily Thomey

In "Them" trifft eine Schwarze Familie aus den Südstaaten in das 50er Jahre Compton, L.A., was damals weiß und nicht weniger rassistisch als die Südstaaten war. Die Serie nutzt das Horrorgenre geschickt um individuelle und kollektive Traumata zu inszenieren.

Der Film "Get Out" hat vor ein paar Jahren eine richtige Erfolgswelle für Horrorfilme mit sich gebracht. Horrorfilme sind immer schon ein ganz eigenes Genre gewesen mit vielen Fans. Aber "Get Out" ist deswegen etwas Besonderes gewesen, weil der Film aus Schwarzer Perspektive erzählt wird und es um Rassismus geht. Genauso funktioniert auch "Them".

Rassismus ist der wahre Horror

Man muss aber kein Horrorfan sein, weil die Serie einfach einen sehr guten Look hat, großartige Schauspieler*innen und trotz all des Schreckens geht es um viel mehr als Schockermomente. Die Macher*innen spielen zwar mit klassischen Horrormotiven wie der dunklen Kellertreppen, entstellte Gestalten, die im Schatten lauern und dem Sound- und Musikakzenten, die ganz klar sagen: Jetzt passiert etwas Schreckliches. Aber sie erzählt vor allem von individuellen und kollektiven Traumata von rassifizierten Menschen in den USA bis weit in die Anfänge des Landes zurück.

Compton – eine weiße Vorhölle

Die Familie Emroy, von der "Them" handelt, zieht wie viele Schwarze während der sogenannten "Great Migration2, der großen Migration weg aus den extrem rassistischen Südstaaten in vermeintlich gemäßigtere Gegenden. Henry, Lucky und ihre beiden Töchter Gracie und Ruby reisen nach Compton, Los Angeles, wo sie ein Haus gekauft haben. Compton wie das legendäre Rap-Album "Straight outta Compton". Aber Compton war damalsweiß - und zwar mit Ansage - Schwarzen war lange sogar nicht erlaubt überhaupt Häuser zu kaufen. Auch im Kaufvertrag der Emroys steht der Passus noch drin und wird nur mit dem Hinweis durchgestrichen, er sei mittlerweile nicht mehr rechtskräftig.

Für die Emroys endet die Vorfreude auf das neue Haus, als sie in ihre Straße einbiegen: Alle starren sie an und zeigen auch ganz offen ihre Antipathie. Lucky lädt deswegen schon in der ersten Nacht ihre Waffe. Fünf Männer, natürlich weiße, lungern ums Haus herum. Lucky kann also nicht schlafen und ärgert sich, dass Henry nicht ein Haus in einer Gegend gekauft hat, in der auch andere Schwarze wohnen - aber er will nicht mehr weglaufen. Das ist aber nur die erste Bedrohungssituation, der die Familie ausgesetzt ist.

50er Jahre Horror

Viel an der Serie ist schwer auszuhalten und die schlimmsten Traumata, die die beiden erlebt haben, liegen schon hinter ihnen oder finden in ihren Köpfen statt. Sie haben alle vier gruseligste Visionen, Flashbacks und der reale Horror, den Henry und Lucky schon erlebt haben, und den wir in Rückblenden sehen, ist schlimmer als jeder dieser übernatürlichen Schreckensmomente. Die 50er Jahre pastellige Vorstadt-Idylle ist ideale Leinwand, um die gruselige und grausame Geschichte zu erzählen. Dank des packende Schauspiels und einer Dramaturgie, die immer mal wieder Luft lässt, kann ich auch Horror-Abgeneigten die Serie empfehlen.

Stand: 14.04.2021, 12:00