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The Virtues - Ein Mann stellt sich den Dämonen seiner Kindheit

The Virtues - Joseph (Stephen Graham) auf der Fähre nach Irland im Morgengrauen.

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

The Virtues - Ein Mann stellt sich den Dämonen seiner Kindheit

Von Emily Thomey

Joseph, ein alkoholkranker, depressiver Mann macht sich auf die Suche nach der Wahrheit über seine Kindheit in Irland.

Zehntausende Serienfans pilgern jedes Jahr nach Frankreich, um bei dem Serienfestival Series Mania die neusten Serien zu sehen. Dieses Jahr hat das Festival aufgrund von Corona nicht stattgefunden. Im letzten Jahr hat eine britische Serie dort wichtige Preise abgeräumt. Den Grand Prix im internationalen Wettbewerb und den Preis für den besten Hauptdarsteller: "The Virtues" heißt diese Serie - übersetzt "Tugenden". Darin geht es um einen Alkoholiker, der nach Ewigkeiten seine Schwester wiederfindet. Zur Zeit läuft die vierteilige Serie auf arte.

Das alte Leben bricht weg

Der irische Arbeiter Joseph, gespielt von Stephen Graham, lebt in Liverpool. Am Anfang der Serie muss er sich von seinem Sohn verabschieden. Joseph und die Mutter des Jungen leben getrennt, die Mutter will jetzt mit dem Sohn und ihrem neuen Partner nach Australien auswandern. Beim letzten gemeinsamen Abendessen bricht Joseph in Tränen aus als sein Sohn ihm sagt, dass er ihn vermissen werde. Man merkt also wie sehr Joseph seinen Sohn liebt und mit dessen Weggang sämtlichen Halt verliert.

Rückfall in den Alkohol

Er rutscht ab und landet auch in der Kneipe, kämpft sichtlich mit sich selbst, weil er weiß, dass er nicht trinken darf, aber der Schmerz ist einfach zu groß. Um sich dann doch irgendwie zu fangen, reist er mit dickem Kater nach Belfast, wo seine Schwester lebt, die er seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Joseph hält sich selbst für einen Versager und hat sich deswegen über die vielen Jahre nicht gemeldet, außerdem hat er nicht den Mut zu sagen, wie sehr er seine Schwester jetzt braucht.

Die Dämonen der Kindheit

Im Laufe der Serie wird dann in Rückblenden erzählt, warum die beiden überhaupt getrennt aufgewachsen sind und warum Joseph Alkoholiker geworden ist. Gerade diese Rückblenden tauchen wie Flashbacks immer wieder auf - in einem old school DigiCam-Look - was sehr gut funktioniert, weil man einfach wissen will, was passiert ist und das visuell interessant ist. Kombiniert mit diesen großartigen Schauspieler*innen und einem eigenen, angenehmen Tempo ist die Serie ein echter Geheimtipp. Man merkt, dass der Macher Shane Meadows wirklich etwas zu erzählen hat - vielleicht auch deswegen, weil die Serie von seinen eigenen Erfahrungen inspiriert wurde.

Stand: 07.10.2020, 06:00