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Serie "The Good Doctor" zeigt Doktor mit Handicap

Videostill: The Good Doctor

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Serie "The Good Doctor" zeigt Doktor mit Handicap

Von Emily Thomey

Kann ein Arzt gut sein, auch wenn er sich emotional nicht in die Schuhe seiner Patienten versetzen kann? Das ist die Kernfrage der US-Blockbuster-Serie "The Good Doctor".

Die Serie "Dr. House" war ein Riesenerfolg. Millionen haben sie richtig gerne geschaut: Im Mittelpunkt der geniale Arzt Gregory House, der mit Menschen nicht so gut konnte. Sie haben ihn eigentlich vor allem genervt. Aber er hatte immer die besten Ideen, wie man auch die kompliziertesten Krankheitsfälle lösen konnte. Meistens wurden die Patienten dann auch gesund. Heute läuft eine Serie von den Machern von "Dr. House" an - wieder eine Krankenhausserie und auch bei "The Good Doctor" ist die Hauptfigur nicht wirklich gut zu den Menschen.

Diesmal ist es aber nicht wie bei Dr. House ein Misanthrop, der Menschen einfach uncool findet, sondern die Hauptfigur Shaun Murphy ist Autist. Das macht ihn einerseits zu einem herausragenden Arzt, der mit einem fotografischen Gedächtnis und unfassbarem Spezialwissen, außergewöhnliche Heilungswege für seine Patienten findet. Aber seine Kollegen zweifeln an seinen Kompetenzen: "Ein Chirurg muss kommunizieren können. Nicht nur Informationen, sondern auch Sympathie, Empathie." Damit hat Shaun seine Schwierigkeiten - er sagt seinen Patienten beispielsweise direkt ins Gesicht, dass sie sterben werden und lernt erst mit der Zeit, etwas vorsichtiger zu vermitteln.

Bei "Dr. House" lag der Reiz der Serie in der Spannung, dass Dr. House seine Patienten nicht mag und sie trotzdem heilt. In "The Good Doctor" ist Shaun Murphy ein ganz junger Arzt, quasi gerade von der Uni, der sich auf eine Chirurgenstelle bewirbt. Zum Glück hat er einen väterlichen Fürsprecher im Krankenhausgremium, der sich für ihn einsetzt: "Wenn wir Shaun einstellen, dann geben wir den Menschen mit Einschränkungen Hoffnung, dass diese Einschränkungen eben nicht so sind wie sie denken, dass auch sie eine Chance haben. Wenn wir Shaun einstellen, dann sind wir ein besseres Krankenhaus. Wenn wir Shaun einstellen, dann sind wir bessere Menschen."

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Ganz schön dick aufgetragen, fast ein bisschen pathetisch aber die Dramaturgie der Serie funktioniert trotzdem: Gänsehaut und Jubeltränen inklusive, wenn Sterbenskranke doch geheilt werden. Es überwiegen bei Shaun eben vor allem die fast schon Superhelden-Kräfte, mit denen er den Kranken hilft. Typisch Serienschreiber könnte man jetzt sagen: Autisten werden besonders gerne zu Hauptfiguren gemacht. Das liegt daran, dass ihre Besonderheiten sich sehr gut erzählerisch nutzen lassen: Wer wenig Empathie zeigt, die Codes für Smalltalk nicht versteht, alles immer wörtlich nimmt, der bietet viel Fläche für Lacher und Konflikte. Das wird von autistischen Zuschauern an solchen Serien kritisiert: Oft sind das eben doch klischeehafte Darstellungen, die wenig mit der Realität zu tun haben. "The Good Doctor" ist in den USA trotzdem ein großer Erfolg und hat ein Millionenpublikum erreicht.

Ab heute könnt ihr "The Good Doctor" die Nachfolgeserie von den "Dr. House"-Machern auf Vox sehen und wenn ihr noch mehr über "The Good Doctor" und andere Serien hören wollt findet ihr unseren Serienpodcast "Glotz und Gloria" glotzundgloria.wdr.de und "The Good Doctor“ bei Vox .

Stand: 10.10.2018, 12:30