The Baby -  Hauptdarstellerin Natasha mit dem ungewollten Baby im Arm.

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"The Baby" - Surreale Horrorcomedy über Mutterschaft

Stand: 22.07.2022, 00:01 Uhr

In der HBO-Horrorcomedy "The Baby" fällt einer jungen Frau buchstäblich ein Baby in die Arme. Als mysteriöse Todesfälle in der Nähe des Baby sich häufen, fürchtet sie um ihr Leben. Bitterböse, unterhaltsame Satire über Mutterschaft und Frauenrechte.

Von Emily Thomey

Dass Mütter die besten Versorgerinnen von Babys sind, ist ein Mythos, der sich in unserer Gesellschaft hartnäckig hält: Nur die Mutter kann für ihr Kind so da sein, dass das Kind alles bekommt, was es braucht, so heißt es seit ein paar Hundert Jahren und wer dagegen anspricht, der bekommt meistens richtig viel Gegenwind. Wie anstrengend Kinder sein können, das wird selten offen ausgesprochen. Meistens mit dem Zusatz, dass sie aber sehr süß seien und die bedingungslose Liebe natürlich alles wieder gut machen würde. Die Serie "The Baby" stellt sich diesen Klischees entgegen und lässt uns gruslig-schaurig lachen - darüber, wie Kinder ihren Müttern und anderen Menschen richtig auf die Nerven gehen. Und schlimmer noch: sie töten.

Ungeklärte Todesfälle häufen sich

Der 38jährigen Natasha fällt das Baby im wahrsten Sinne des Wortes in den Arm, als sie am Fuße einer Klippe vor der kleinen Hütte, in der sie sich eigentlich eine Auszeit gönnt, eine Zigarette raucht. Natasha hat überhaupt keinen Bock auf Babys, ist auch total angenervt, dass ihre besten Freundinnen beide Mütter sind bzw. werden und so versucht sie das Baby immer wieder loszuwerden. Aber das Baby bleibt bei ihr und gleichzeitig häufen sich die Todesfälle, egal wohin die beiden auch gehen. Kurz vor dem Baby ist eine Frau die Klippen heruntergefallen, zwei Polizisten werden unmittelbar danach von einem großen Stein erschlagen und dann wird in einer nahen Tankstelle ein Mann von einem fallenden Regal tödlich getroffen - alles in unmittelbarer Nähe des Babys.

Nerven Babys, Mütter oder alle anderen?  

Aber das eigentlich unterhaltsame an der Serie ist, dass wir viel über das Tabu, dass Babys ihren Müttern auf die Nerven gehen, zugleich schaudern und lachen können, wie eine Mutter beispielsweise von ihren verzweifelten Zu-Bett-bring-Geschichten berichtet, wie sie halluziniert, dem Baby etwas anzutun und eine andere anknüpft, dass der Job Mutter gleichzeitig so langweilig sei. Die Frau mit den Halluzinationen hat sich dann selbst weggesperrt, um von der Vision runterzukommen und die andere lacht etwas müde über ihren Witz, dass es mit Kindern immer gleich wäre: Schreien, schlafen, essen, scheißen, und wieder von vorn. Natasha erlebt das, was viele Mütter - vielleicht sogar alle irgendwann in ihrer Rolle als Mutter erleben: Es wird mehr über oder auch mit dem Baby geredet als mit ihnen, ihre eigenen Bedürfnisse sind zweitrangig, wenn sie überhaupt beachtet werden und sie bekommt ständig ungefragt Ratschläge und Feedback zu Erziehungsmethoden. Und das, obwohl sie ständig betont, dass das Baby nicht ihr Baby sei und sie ja auch gar keine Erziehung betreiben will, sondern eigentlich das Baby loswerden will.

Was bedeutet Muttersein

Trotz so Bewegungen wie "Regretting Motherhood" wird in unserer Gesellschaft das Muttersein immer noch idealisiert und es ist gerade in Deutschland schwer darüber zu sprechen, wie anstrengend und ermüdend diese Rolle sein kann. Nachdem in den USA kein landesweites Recht auf Abtreibung mehr gilt, hat die Serie eine viel stärkere politische Botschaft als das die Macherinnen ahnen konnten. Die Serie "The Baby" ist also ein frischer Blick auf das Muttersein und vor allem darauf, wie Mütter - biologische genauso wie Pflegemütter - behandelt werden - aber du kannst die Serie auch einfach nur als Unterhaltung schauen. Die acht Folgen laufen auf Sky. Mehr Serientipps gibt es im COSMO Serienpodcast Glotz und Gloria.