Krimiserie "Teenage Bounty Hunters" - Kopf- und Fersengeld

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Krimiserie "Teenage Bounty Hunters" - Kopf- und Fersengeld

Von Christian Werthschulte

"Teenage Bounty Hunters" nutzt das Korsett der Krimiserie, um vom Pubertätswahnsinn unter fundamentalistischen Christen zu erzählen.

"Teenage Bounty Hunters" spielt in einer Parallelgesellschaft - der weißen, reichen, protestantisch-konservativen Oberschicht von Atlanta. Dort leben Blair und Sterling, zwei junge Frauen, die ihre Pubertätshormone und ihren christlichen Glauben versöhnen müssen.

Eines Tages haben sie einen Unfall mit dem Truck ihres Vaters. Um die Reparatur abzubezahlen, heuern sie in einem Frozen-Yoghurt-Laden an. Dessen Besitzer Bowser führt ein Doppelleben als Kopfgeldjäger und heuert die beiden Mädchen als Assistent*innen an. Und so werden Blair und Sterling selbt zu Teenager-Kopfgeldjägerinnen.

"Teenager jagen Kriminelle", das klingt erstmal wie eine Serienidee aus einer der unteren Schubladen. Aber den Autor*innen gelingt es, soziale und politische Themen in das Korsett der Krimiserie zu zwingen. In einer Folge fahnden Blair, Sterling und Bowser nach einer jungen, schwarzen Frau. Auf sie ist eine Belohnung ausgesetzt, weil sie Statuen köpft, die den Südstaaten-Konföderierten gewidmet sind, also den Sklavenhalten aus dem US-Bürgerkrieg.

Blair diskutiert das auf einer Party mit dem schwarzen Teenager Miles, der die Statuen lieber stehen lassen würde, weil sie für eine Erinnerung an das Grauen der Sklaverei sind. Miles und Blair werden später ein Paar und das ist dann das zweite große Thema von "Teenage Bounty Hunters": Wie gehen fundamentalistische Christen mit der Sexualität ihrer Kinder um? Sterlings Mutter etwa bestraft ihre Tochter dafür, dass sie Sex mit ihrem Boyfriend hatte, obwohl sie als junge Frau genau dasselbe getan hatte.

"Teenage Bounty Hunters" nutzt die Folie der Krimiserie für ein Pubertätsporträt. Die klassischen Figuren der Coming-of-Age tauchen hier auf: die reaktionären Großeltern, das ahnungslose Lehrpersonal und das hinterhältige Alphamädchen. All diese Figuren werden in ihrer Lächerlichkeit vorgeführt, das garantiert Unterhaltung. Aber gerade die Hauptcharaktere Sterling und Blair sowie ihr Boss Bowser besitzen mehr Nuancen

"Teenage Bounty Hunters" bringt so Sozialkommentar und superunterhaltsames Chipstütenfernsehen zusammen.

Stand: 21.08.2020, 06:00