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"Sympathisanten. Unser deutscher Herbst" - Die RAF in den 70er Jahren

Sympathisanten - Unser deutscher Herbst - eine geballte Faust, Videostill aus dem Trailer

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Sympathisanten. Unser deutscher Herbst" - Die RAF in den 70er Jahren

Von Christian Werthschulte

Kaum ein Jahrzehnt hat die Bundesrepublik Deutschland so geprägt wie die 70er Jahre. Der Umgang mit der Terrororganisation RAF gilt als der erste und härteste Test für die damals ja noch junge deutsche Demokratie. Der Film "Sympathisanten. Unser deutscher Herbst“ beleuchtet diese Zeit noch einmal.

In den Siebzigern haben für viel Aufsehen gesorgt: Linksliberale, die sich für die RAF-Gefangenen eingesetzt haben, die sogenannten Sympathisanten. "Das entscheidende Problem aber bleiben die Sympathisanten: aktive, geistige und publizistische, ohne die eine kleine Bande von mordenden und raubenden sogenannten Weltverbesserern nie zu einer Gefahr hätte werden können.", so berichtete damals das ZDF über dieses Milieu. Zwei der Menschen, die hier gemeint sind, sind die Eltern von Richard Moeller, dem Regisseur von „Sympathisanten. Unser deutscher Herbst“: nämlich die Filmemacher Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta. Sie haben Filme über den Umgang der deutschen Gesellschaft mit der RAF gedreht, etwa „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Heinrich Böll. Und gemeinsam mit ihnen kommen Vertreter des gesamten linksliberalen Milieus der 70er in diesem Film zu Wort und schauen zurück auf die Jahre der RAF-Solidarität.

Die Sympathisanten von damals verteidigen ihre Haltung bis heute. Es sei richtig gewesen, sich für die RAF einzusetzen. Damals hätten sie Angst davor gehabt, dass die NS-Zeit sich wiederholt.„Böll war wirklich überzeugt, dass hier der Rechtsstaat am Ende ist“, Volker Schlöndorff über seinen Freund Heinrich Böll, damals das Feindbild der Boulevard-Medien. "Dass er so fertiggemacht wurde, dass konnte er sich nur erklären, dass hier die ganze Gesellschaft jetzt ja – in Anführungszeichen – zum Faschismus tendierte." Dennoch zeigt "Sympathisanten" auch Momente der Selbstkritik, etwa wenn der Schriftsteller Peter Schneider sagt, dass die RAF, ihre Unterstützer und auch sie selbst viel früher hätten erkennen müssen, dass der bewaffnete Kampf ein fürchterlicher Fehler gewesen sei. Und Volker Schlöndorff zum Beispiel erklärt, dass er mittlerweile Angela Merkels CDU und damit eine Mitte-Rechts-Partei unterstützt.

Im Jahr 2019 zeigt "Sympathisanten" aber auch Parallelen zum aktuellen politischen Geschehen auf. So wie damals die "Sympathisanten" für den Terror der RAF-Gefangenen verantwortlich gemacht wurden, werden Linksliberale etwa für den Terror am Breitscheidplatz oder die sexuellen Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof verantwortlich gemacht, wenn sie sich für Flüchtlinge einsetzen, Dabei geht’s ja in beiden Fällen nur um demokratische Grundrechte: damals für Gefangene und heute für Geflüchtete. Aber in den Siebzigern war der Hass auf "Sympathisanten" Mehrheitsmeinung, heute findet man sowas fast ausschließlich am rechten Rand. Seit der ersten Krise ist Deutschland ist Deutschland demokratischer geworden.

Stand: 17.07.2019, 06:00