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SWEAT - Zwischen Online-Schein-Welt und persönlichem Drama

SWEAT

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

SWEAT - Zwischen Online-Schein-Welt und persönlichem Drama

Von Emily Thomey

Eigentlich wäre der Spielfilm SWEAT in der offiziellen Auswahl von Cannes gelaufen. Aus Gründen fand das nicht statt. Jetzt ist der Film trotzdem zu sehen: Das Transit Filmfest zeigt ihn in seiner Onlineversion.

In SWEAT, was übersetzt Schweiß oder schwitzen heißt, manövriert eine junge polnische Fitness-Influencerin zwischen ihrem perfekten Online-Image und ihren persönlichen Dramen. Wie für viele Influencer*innen ist es sehr schwer für Sylwia die Linie zu ziehen: Was postet sie und was bleibt privat?

Auf ihrem Account können Follower*innen sie beim Promo-Training mit Fans in einem Einkaufszentrum sehen, auf dem Weg nach Hause, wo sie im Treppenhaus den Tipp gibt, nie den Aufzug zu nehmen und dann in ihrer Küche ein Powershake-Rezept verrät. Aber richtig viral geht ihr intimes Bekenntnis, dass sie sich einsam fühlt und ungern Single ist.

Daraufhin beschweren sich Sponsoren, weil das Video-Bekenntnis ihnen zu düster sei. Sylwia ärgert sich, aber will sich nicht reinreden lassen. Dramatischer wird es für sie, als vor ihrer Tür ein Stalker auftaucht. Eine Geschichte, die auch realen Influencerinnen schon passiert ist. Sylwia reagiert unerwartet. Sie ruft nicht die Polizei, sondern versucht ihn zu verjagen - zum Teil auch mit Erfolg. Aber er taucht immer wieder auf.

Dann ist ihre Mutter, eine ihrer engsten Vertrauten, frisch verliebt und hat keine Zeit mehr für Sylwia. Die nach außen so toughe, erfolgreichen Frau zeigt immer deutlicher, wie unzufrieden sie ist und überlegt sogar alles aufzugeben: "Manchmal denke ich darüber nach, meinen Job aufzukündigen, es würde mich niemand vermissen, wenn ich meinen Account einfach löschen würde", sagt Sylwia an einer Stelle.

Magdalena Kolesnik spielt all diese Seiten von Sylwia wirklich herausragend. Als Zuschauer*in hat man das Gefühl, die Gedanken von Sylwia zu kennen, nachzufühlen, wie das ist, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen und trotzdem einsam zu sein - so nah dran sind wir.

Der Regisseur Magnus von Horn schafft es außerdem immer wieder überraschende Wendungen in die Geschichte einzubauen. Auch das Ende ist überraschend, ungewöhnlich motivierend und dadurch aber auch so überzeugend. In SWEAT wird nicht vorschnell geurteilt - weder über eine Fitness-Influencerin noch über einen Stalker oder enthusiastische Fans. Und das macht den Film authentisch und sehr sehenswert.

Stand: 20.11.2020, 08:00