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Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Strafe" - Schirach-Bestseller als Serie

Stand: 01.07.2022, 09:00 Uhr

Sechs Filme darüber wie ein Rechtsspruch nicht dem ethisch richtigen Ausgang eines Verbrechen entspricht und die Deutungshoheit trotzdem auch mal in den Händen der Opfer bleibt.

Von Emily Thomey

Ferdinand von Schirach ist eigentlich Anwalt. Dann hat er angefangen, seine Erfahrungen aus seiner Kanzlei aufzuschreiben und eine fette Karriere als Autor hingelegt: Bestseller-Bücher, die ganz einfache Titel haben wie "Verbrechen", oder "Schuld" und aus denen Hörbücher, Hörspiele und Filme gemacht wurden. Jetzt gerade ist eine ganze Serie von Filmen erschienen, die auch wieder auf Geschichten von Ferdinand von Schirach beruhen. "Strafe" heißt die Serie, in der jede Folge eine eigene abgeschlossene Handlung hat.

Sehr beeindruckend ist der Film "Subotnik" von Helene Hegemann. Wie alle Filme der Serie geht es auch in "Subotnik" um eine Strafe, die verhängt wird oder auch nicht verhängt - für etwas, das getan wurde oder auch nicht getan wurde. "Subotnik" erzählt aus der Perspektive zweier Frauen: Die eine trägt eine Augenbinde über dem rechten Auge, kommt aus Rumänien und tritt als Zeugin in einem Prozess auf, bei dem die andere Frau Anwältin des Angeklagten ist, dem Prostitution und Menschenhandel vorgeworfen werden. "Ich habe den Angeklagten am 31. Dezember 2017 kennengelernt. Er hat mir versprochen, ich könnte in Berlin als Altenpflegerin Geld verdienen. Ich habe versucht, ihm zu glauben, obwohl Deutschland für die Leute in meinem Dorf nur ein anderes Wort für Puff ist."

Die Zeugin Vica erzählt von dem martialischen Missbrauch, der Folter und wiederholten Massenvergewaltigungen, die sie überlebt hat und behält trotz der Ohnmacht, die sie erlebt hat, die Deutungshoheit über die Geschichte. Die junge Anwältin Seyma steckt in dem Dilemma, Anwältin für den Angeklagten zu sein und persönlich natürlich schockiert und von den Berichten der Zeugin berührt zu sein. Die Szenen und auch die Grundgeschichte in "Subotnik" ist keine ungewöhnliche: Verhöre vor Gericht, schicke Anwaltskanzleiräume, Akten durchforsten bis spät in die Nacht, aber Hegemann gelingt immer wieder auch diese bekannten Räume und Abläufe mit frischem Blick zu erzählen. Beispielsweise versucht die Anwältin Seyma, an einer Stelle den Fall doch loszuwerden und rennt der Richterin auf die Toilette hinterher. Auch Toilettensituationen gibt es zu Hauf in Filmen und Serien, aber die Ernsthaftigkeit, mit der die pinkelnde, genervte Richterin der verzweifelten Seyma begegnet, hallen bei mir nach - und das gilt für viele der Szenen und Dialoge, die ich in "Subotnik gesehen habe.

Alle sechs Filme sind mit ca. 45 min relativ kurz und damit sehr dicht erzählt. Einige verwenden auch formal interessante Mittel, dass die Geschichte beispielsweise vom Ende her erzählt wird, wie in David Wendts "Der hellblaue Tag". Und immer wieder tauchen richtig bekannte Darstellende wie Olli Dittrich auf und Newcomer wie die Rapperin Ebow in Helene Hegemanns "Subotnik" sind auch richtige Highlights der Serie. Aber unbedingt sehen muss man von der Serie eigentlich nur "Subotnik".

Die sechs Filme der Serie "Strafe" laufen bei RTL+ und mehr Serienempfehlungen findet ihr im COSMO Serienpodcast Glotz und Gloria.