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Städte für Bürger! Wenn Einwohner Lebensräume selber gestalten

Videostill: Städte für Bürger - Urban Gardening von oben

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Städte für Bürger! Wenn Einwohner Lebensräume selber gestalten

Von Emily Thomey

Von Bürgern initiierte Projekte werden nicht nur realisiert, sondern auch durch einen sogenannten Bürgerhaushalt öffentlich finanziert. Eine arte Reportage nimmt uns in mehrere Städte mit und zeigt, wie Bürger dort für ihre Lebensqualität aktiv werden.

Steigende Mieten, zu hohe Abgaswerte in der Luft, immer weniger Platz - das sind die Nebenwirkungen in wachsenden Städten, in denen so viele von uns wohnen. Aber es gibt auch gute Nachrichten aus den Städten Europas, von Bürgern, die ihre Stadt zu einem lebenswerten Ort machen wollen.

Mit am schönsten ist der "Petite Ceinture" in Paris. Das heißt übersetzt "Grüner Gürtel" und ist eine stillgelegte Bahnstrecke. Die Stadtplanerin Anne Labroille kümmert sich darum, dass diese Strecke von Bürgern selbst gestaltet und dann auch benutzt wird: "Das ist der einzige Ort in Paris, wo man Vögel singen hört, wo es Schatten gibt, wo man völlig von der Stadt abgeschottet ist. Jeder sollte die Chance bekommen, das zu erleben, deshalb ist es wichtig die Strecke zu eröffnen."

Ein grüner Gürtel für Paris

Gerade werden dort Wege befestigt, Sitz- und Liegeflächen aus Holz gebaut und auch Gartenflächen angelegt, so dass jeder, der will auch mitgärtnern kann. Insgesamt stehen Anne Labroille und ihrem Team aus engagierten Bürgern 7,5 Millionen Euro für den Um- und Ausbau des Grünen Gürtels zur Verfügung. Das ist aber nur ein kleiner Teil der 90 Millionen, die Paris für den Bürgerhaushalt bereithält.

Unterschiedliche Etats für Bürgerhaushalte

Paris liegt im Vergleich schon sehr weit vorne. In Köln beispielsweise umfasst der Bürgerhaushalt gerade mal 900.000 Euro, das polnische Wroclaw, ehemals Breslau, gibt acht Millionen für seinen Bürgerhaushalt aus. Bei der national-konservativen Regierung in Polen ist das besonders erfreulich und ein unerwartetes lokales Gegengewicht. Robert Gatschek hat damit ein Kunstwerk an der Oder bauen können: "Es gibt noch viel zu tun. Aber hinsichtlich der Selbstverwaltung öffnet sich die Stadt zunehmend für ihre Bewohner. Die Bewohner erkennen, dass sie Einfluss haben. Sie wollen sich engagieren, weil sie einen Sinn darin sehen." So organisieren in einem Wohngebiet in Breslau Anwohner Konzerte und Workshops oder treffen sich auf einer der Bänke im Viertel.

Blick auf das Gemeinwohl

Auch wenn das Geld vorhanden ist und genug Bürger, die sich engagieren, gibt es Herausforderungen für solche Stadtprojekte. In Hannover beispielsweise steht ein großes Wohn-, Einkaufs- und Bürozentrum zum größten Teil leer. Das sogenannte Ihme-Zentrum wurde in den 70er Jahren gebaut, galt damals als hochmodern, leider wurde dann Jahrzehnte nicht mehr investiert und der Gebäudekomplex verfällt. Constantin Alexander kämpft für die Wiederbelebung des Zentrums: "Warum sieht das hier so aus? Kurze Antwort: Das Ihme-Zentrum ist ein Symbol für Immobilienspekulation. Was passiert, wenn große Unternehmen unsere Städte managen und eine andere Orientierung haben, als dass was man Gemeinwohl nennt."

Constantin Alexander hat es mit seinem Verein geschafft Teile des Gebäudes zu kaufen. Mittlerweile gibt es dort Proberäume für Musiker, günstige Ateliers für Künstler oder auch eine Galerie. Letztlich ist unser Handlungsspielraum  viel größer als wir vielleicht denken und so macht die Reportage von arte "Städte für Bürger" vor allem Lust, in der eigenen Nachbarschaft loszulegen.

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Stand: 12.10.2018, 06:00