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Social Distance – Neue Corona-Serie auf Netflix

Screenshot: Social Distance

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Social Distance – Neue Corona-Serie auf Netflix

Von Nele Posthausen

"Wir brauchen das jetzt nicht. In fünf Jahren vielleicht, jetzt nicht!" – so krass ist die Kritik an der neuen Netflix-Serie "Social Distance". Doch es gibt auch Positives anzumerken.

In acht Episoden von knackigen 20 Minuten erzählt die Serie fiktive Einzelschicksale in der Corona-Pandemie. Und dabei gibt es in jeder Folge einen wirklich unerwarteten Plot-Twist. Der ist mal traurig, mal albern und mal verwirrend für uns Zuschauer*innen. Genauso steigert sich die Serie selbst von erwartbar zu unerwartet. Beginnt sie mit den Schicksalen von Menschen, die während der sozialen Isolation ihre Einsamkeit in Alkohol ertränken, endet sie bei aktuellen Fragen rund um Rassismus und Stigmatisierung.

Etwas Moral und ein wenig erhobener Zeigefinger

Jede Episode eröffnet eine kleine Erkenntnis oder neue Sichtweise auf unser eigenes Verhalten in dieser globalen Pandemie. Das nervt manchmal. Fragen wir uns doch so schon oft genug, was gerade solidarisch und welches Verhalten egoistisch ist. Zu viel ist stellenweise auch die erzwungene Emotionalität, die eher rührselig als realistisch wirkt.

Gleichzeitig hält uns "Social Distance" auf spielerische Art vor Augen, wen die Krise am härtesten trifft: die Einsamen, die Kranken, die Kinder…

Unerwartet: animierte Comics und Virtual Reality

Zu den unerwarteten Episoden gehören die, die nicht bloß von Webcam-Bildern und Face-Calls leben. Denn immerhin ist deren Bild-Qualität deutlich besser, als die der Webcam-Bilder in unserem Alltag. Trotzdem sind die ständig gleichen Einstellungen langweilig und erinnern an einen Part der Pandemie, den die meisten von uns schon über haben. Gegen die Langeweile auf der Bild-Ebene helfen also die kreativen Folgen.

Besonders hübsch gemacht ist die über Mia, die sich beim Online-Gaming verliebt und ihrem virtuellen Date ihren virtuellen Camping-Sport vorführt. Oder die Folge, in der es um Trevor geht. Vermutlich ist er so drei Jahre alt. Seine Mama ist an Covid-19 erkrankt. Weil Trevor das alles nicht ganz versteht, erfindet sein Papa eine Geschichte für ihn. Und die Geschichte vom Corona-Fluch ist in der Serie mit ziemlich simpel gemachten, aber süßen Comic-Clips illustriert.

Tausche Corona-Alltag gegen Corona-Alltag

Damit wird "Social Distance“ zur neuen Netflix-Serie für die Ausflucht vom Corona-Alltag – in den Corona-Alltag anderer. Die acht Episoden können helfen, sich in der aktuellen Situation mit den so banal wirkenden Sorgen nicht so allein zu fühlen. Oder sie helfen einfach, sich auf einen virtuellen Camping-Spot unter Sternen-Himmel zu träumen.

Stand: 16.10.2020, 06:00