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Kiez-Reportage: Smart Berlin – der "Boxi"

Screenshot: "Smart Berlin – der Boxi"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Kiez-Reportage: Smart Berlin – der "Boxi"

Von Nele Posthausen

Sommerferien sind die beste Zeit, um auf dem "Boxi" abzuhängen und Leute zu gucken. Dem Boxhagener Platz in Berlin Friedrichshain. Geht ab jetzt aber auch bei Regen und außerhalb von Berlin. Dank der Reportage "Smart Berlin – der ‚Boxi‘".

Wer selbst nie in Friedrichshain gewohnt hat, hat den Kiez vielleicht nur als Tourist*innen-Meile wahrgenommen. Die Reportage von Anja Widell zeigt jetzt, wie sich das Leben rund um den Boxhagener Platz für Insider anfühlt und wie es sich über die Jahre verändert hat. Der Ort ist ein klassisches Beispiel für Gentrifizierung: Während ein großer Teil der Menschen in den 90ern hier noch Arbeiter*innen waren, sind es mittlerweile nur noch rund 15 Prozent. Der sogenannte "Milieu-Schutz" und Verbote von zum Beispiel Luxussanierungen zeigten keine Wirkung. Viele sind von den immer weiter steigenden Mieten verdrängt worden.

In der Reportage zeigen Anwohner*innen, wie sie sich das Leben in diesem teuren Kiez trotzdem ermöglichen. Mit selbstgefilmten Smartphone-Aufnahmen nehmen sie uns Zuschauer*innen mit in ihren Alltag. Da ist zum Beispiel die 26-jährige Studentin Louise. Sie wohnt in einem Hausprojekt, das sie einem Investor vor der Nase weggekauft hat – zusammen mit anderen Hausbewohner*innen, die heute ihre Freund*innen sind. Gemeinsam zahlen sie mit ihrer Miete jetzt einen Kredit ab. Mit dabei ist auch Claudia: "Was ich daran sehr schätze, ist dass wir hier nicht so anonym wohnen. So kann ich mir das auch vorstellen, wenn ich alt bin", überlegt sie und gruselt sich vor der Vorstellung als "tatterige" Oma allein in einer Wohnung zu leben, wo keiner bemerkte, wenn sie mal hinfallen würde.

Das wird deutlich: die Leute, die länger an ihrem "Boxi" wohnen, kennen sich und achten aufeinander. Einige sind sogar bekannt wie bunte Hunde. So wie Bodo mit der Boombox. Er bringt Musik in die Reportage; läuft anscheinend oft genug mit seinem Sound aus Boxen durch das Viertel, um als lokaler Promi durchzugehen. Sonst verschenkt der Film auf der Sound-Ebene leider ein bisschen was. Denn der Original-Sound des Kiezes, das Geplapper, das Tellerklackern, die selbstgemachte und selbst mitgebrachte Musik, die verschwindet hier oft hinter einem Musikbett aus der Dose. Dabei gäbe es sicher noch so einiges mit den Ohren zu entdecken, gerade wenn wir uns in einem Ausgeh- und Partyviertel wie Berlin Friedrichshain bewegen.

Stand: 28.07.2021, 06:00