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"Small Axe" - Wie Schwarze Briten, die Gesellschaft verändert haben

Screenshot: "Small Axe" - eine junge Frau mit Regenschirm

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"Small Axe" - Wie Schwarze Briten, die Gesellschaft verändert haben

Von Christian Werthschulte

Steve McQueens fünfteilige Anthologie über das Leben und Wirken von Schwarzen in der britischen Gesellschaft.

Geschichtsunterricht macht ja nicht immer Spaß,  es sei denn, Oscar-Gewinner Steve McQueen hält ihn. Gerade hat er fünf Folgen Historisches Drama für die BBC und Amazon gedreht: In "Small Axe" zeigt er eine eher selten beleuchtete Seite der britischen Geschichte. McQueen erzählt die Geschichte schwarzer Briten in der Nachkriegszeit: ihrer Erfolge, aber auch ihrer Konflikte, selbst der Konflikte untereinander: "Du hast uns das Gefühl gegeben, wir könnten dazu gehören. Du wolltest uns britischer als die Briten. Auf meine Art kann ich zumindest was verändern" - Das wirft Leroy Logan seinem Vater an den Kopf. Leroy Logan wird in der Serie gespielt von John Boyega aus "Star Wars", im echten Leben war er der erste Schwarze Bobby bei der Londoner Polizei. Die hatte kurz zuvor seinen Vater grundlos zusammengeschlagen und Logan wollte die Polizei daraufhin von innen verändern, obwohl er bereits eine vielversprechende Karriere als Wissenschaftler begonnen hatte. In "Small Axe" blockieren rassistische Vorgesetzte und Logan b und hintergehen ihn. Aber in der Realität hat er Erfolg gehabt und die erste Studie mit auf den Weg gebracht, die den institutionellen Rassismus der Londoner Polizei untersucht hat. Bis heute gilt sie als vorbildlich.

Schwarze Briten verändern die Gesellschaft

Das zentrale Thema von "Small Axe" ist dann auch, wie Schwarze Briten die britische Gesellschaft für immer verändert haben.  Dafür schaut sich Regisseur Steve McQueen die unterschiedlichsten Geschichten an. Er erzählt, wie der Aktivist Darcus Howe sich vor Gericht selbst verteidigt, gewinnt und er später ein berühmter Fernsehfilmer wird. Alex Wheatle wurde als Schwarzes Kind im Heim mißbraucht, kam ins Gefängnis ist heute ein preisgekrönter Kinderbuchautor. Und natürlich wird auch eine kollektive Geschichte erzählt -- mit Lovers Rock, einem Reggae-Genre aus den späten 70ern. Lovers Rock ist in Großbritannien entstanden, die Songs erzählen von Alltagsproblemen: Liebe, Freundschaft, Vertrauen. Es war der Soundtrack der zweiten Generation, von Schwarzen Menschen, die im UK geboren waren und kein Interesse mehr hatten, in die Heimat ihrer Eltern zurückzukehren.

Geschichtsstunde wird zu Filmkunst

Steve McQueen hat für seine Geschichtsstunden sein ganzes filmisches Können eingesetzt. Mit einem ethnographischen Blick bildet er die feinen Unterschiede in den Schwarzen Communities ab: die Akzente, die Kleidung, der Musikgeschmack, die Körpersprache. Und er schreckt auch vor Szenen nicht zurück, die schwer zu drehen sind. Die Partyszenen in der Lovers-Rock-Folge gehören zu den besten Partyszenen. die die BBC je ausgestrahlt haben dürfte. So wird, was als Geschichtsstunde beginnt zu einem Denkmal aus Filmkunst

Stand: 09.12.2020, 10:00