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"Schwarz und Deutsch" – Die Geschichte der Afrodeutschen

Tony Boateng im Interview - Screenshot der Dokumentation "Schwarz und Deutsch"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Schwarz und Deutsch" – Die Geschichte der Afrodeutschen

Von Emily Thomey

Wie sehr Rassismus, Unterdrückung und Diskriminierung immer noch zu ihrem Alltag gehören erzählen sie in der neuen Dokumentation "Schwarz und Deutsch" - jetzt in der ARD-Mediathek zu sehen.

"Wo kommst du her?" wer diese Frage schwarzen Menschen in Deutschland stellt hat es einfach nicht verstanden. Genauso wie Kommentare wie "Du sprichst aber gut Deutsch". Noch gehören sie zum Alltag. Die Dokumentation "Schwarz und Deutsch" blickt aber auch in die Vergangenheit, weil es immer noch zu wenigen Menschen bewusst ist, dass Schwarze Menschen schon seit vielen Generationen deutsch sind.

Mirrianne Mahn im Parlament - Screenshot der Dokumentation "Schwarz und Deutsch"

Afro-deutsche Kultur

Die Familie der Berlinerin Adenaa Adomako lebt beispielsweise schon in der 5. Generation hier. Ihr Urgroßvater hat Ende des 19. Jahrhunderts "als erster Afrikaner" die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen: "Und er war schon Teil des antikolonialen Widerstandes, der ja immer stattgefunden hat. Es gab keine Zeit, wo Schwarze Menschen sich nicht gewehrt hätten und sich für ihre Rechte eingesetzt haben" erzählt Natasha A. Kelly. Sie ist Wissenschaftlerin und Politikerin, die sich intensiv mit afro-deutscher Kultur beschäftigt.
Von diesem ersten Widerstand aus erzählt die Dokumentation vom Missbrauch Schwarzer Menschen in Völkerschauen, später in stereotypischen Filmrollen, ihre Verfolgung und Vernichtung in Nazideutschland und den Schwierigkeiten, die sie auch nach 1945 noch erleben.

"Farbe bekennen"

Der wichtigste Schritt für viele Schwarze, die in der Dokumentation zu Wort kommen, ist es, sich mit anderen Menschen, die ihre Lebensrealität teilen, zusammen zu schließen. Sei es in der Vereinen wie der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland oder zu Projekten wie dem schon in den 80er Jahren erschienenen Buch "Farbe bekennen", dem Literaturklassiker der afrodeutschen Bewegung, Natasha A. Kelly: "Es ist wichtig gewesen, weil wir bis dato immer nur eine Objektstellung in der Gesellschaft hatten. Es wurde über uns geredet. Wir waren Gegenstand verschiedener politischer wie wissenschaftlicher Debatten. Ich glaube, durch 'Farbe bekennen' haben wir das erste Mal eine Subjektstimme erhalten und damit auch eine politische Stimme."

Zeitzeugen berichten

Die politische Stimme haben Schwarze Menschen in Deutschland mittlerweile auch in staatlicher Position wie mit Aminata Touré im Schleswig Holsteinischen Landtag. Aber die vielen rassistischen Erfahrungen, von denen die Protagonisten und Protagonistinnen in der Dokumentation erzählen, zeigen wie anstrengend es ist, Schwarz und deutsch zu sein. Wer sich bisher noch nicht mit der Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland auseinander gesetzt hat, dem gibt die Dokumentation einen sehr guten Überblick. Es kommen viele verschiedene Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen und Persönlichkeiten zu Wort, darunter auch der erste schwarze Fußball-Nationalspieler Erwin Kostedde, Zeitzeugen der NS-Zeit wie Theodor Wonja Michael oder Jone Mununga, der ein Freund des von Neonazis ermordeten Amadeu Antonio.

Stand: 04.06.2021, 11:03