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"Reservation Dogs" - Gangster im Reservat

Reservation Dogs

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Reservation Dogs" - Gangster im Reservat

Von Emily Thomey

Die neue Serie "Reservation Dogs" zitiert zwar den Kultfilm "Reservoir Dogs" im Titel, ist aber für sich genommen schon eine Revolution: Eine Coming-Of-Age-Comedy mit Indigenen vor und hinter der Kamera.

Kennt ihr noch "Reservoir Dogs"? 30 Jahre ist das her. 1992 kam er in die Kinos. Damals war er der Debütfilm von Kultregisseur Quentin Tarantino. Jetzt ist eine Serie erschienen, die irgendwie genauso klingt: "Reservation Dogs", zu sehen auf Disney+, dem Streamingkanal von Disney. In Tarantinos Film gehts um eine Gruppe Gangster, die einen Raubzug planen, der dann schief geht. Der Titel der Serie ist an Tarantinos Film angelehnt. Allein schon der Schriftzug erinnert an "Reservoir Dogs" und in einer Szene sieht man die vier jugendlichen, indigenen Hauptcharaktere in schwarzen Anzügen durchs Reservat laufen, in dem sie in Oklahoma leben. Ganz klar eine Referenz an die Gangster von Tarantino.

Und jene Jugendliche sind auch Gangster - nur in wesentlich harmloserem Stil. Sie stehlen einen Lebensmittel-Laster, Kupfer aus Straßenlaternen oder malen Graffitis. Den Sheriff im Reservat, der sie konfrontiert, lügen sie natürlich an - wir sehen in den Zwischenschnitten aber, dass sie es waren. Sie stehlen so hemmungslos, weil sie Geld sparen, um aus dem Reservat abzuhauen. Das Leben in Reservaten ist bekanntlich kein freiwillig gewähltes und hat viele wirtschaftliche und soziale Probleme für die indigenen Gruppen mit sich gebracht. Was genau Bear, Elora, Cheese und Willie am meisten schmerzt, ist aber, dass ihr Freund Daniel vor einem Jahr gestorben ist.

Daniel wollte nach Kalifornien abhauen. Also fassen die vier den Entschluss, Daniels Plan jetzt umzusetzen, wenn er es schon nicht mehr kann. Diese düsteren Umstände werden wunderbar konterkariert mit albernem Humor wie man ihn vom Serienschöpfer Taika Waititi nicht anders erwartet hätte. Taika Waititi hat dafür ein cooles Team um sich gescharrt: Die meisten Menschen vor und hinter der Kamera sind indigener Abstammung, was es so noch nicht gegeben hat. Eine TV-Revolution.

Der Humor zeigt sich in jeder Szene. Zum Beispiel hat Bear immer wieder Visionen - mal erscheint ihm der Fahrer des Lebensmittel-Lasters, den sie geklaut haben und beschimpft ihn. Und genauso erscheint ihm immer wieder ein Reiter mit typisch indigenem Federschmuck, den Bear bei der ersten Begegnung fragt, wie er heißt. Er ist keiner der bekannten großen Häuptlinge - aber er hat neben seltsamen Rufen ein paar oberkluge Worte für Bear und es bleibt die Frage, ob Bear die so gut umsetzen kann. Die Witze nehmen sämtliche Klischees von indigenen Nordamerikaner:innen auf die Schippe, die Charaktere sind sehr liebevoll, eigensinnig gezeichnet und schon nach wenigen Folgen bin ich Fan.

Stand: 13.10.2021, 11:00