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"Ramy" - Serie über einen gläubigen Muslim

"Ramy" - Videostill Ramy und der Sheikh im Halbprofil

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"Ramy" - Serie über einen gläubigen Muslim

Von Emily Thomey

Endlich ist es soweit: Die zweite Staffel von "Ramy" startet. Als Serie über einen gläubigen Muslim ist sie allein dafür schon eine Besonderheit und auch richtig gut.

Ramy lebt zusammen mit seiner Schwester noch bei seinen Eltern in New Jersey. Er geht mit Sneaker und Cappy in die Moschee, möchte gerne nach Mekka pilgern oder wahlweise zum Burning Man Festival - ist damit ein echter Millennial zwischen popkulturellem Hipsterlife und ernst genommenen religiösen Verpflichtungen.

Ramy, ein autobiografisch angehauchter Charakter

Über Ramy konnte ich schon in der ersten Staffel viel und laut lachen und mich mehr als einmal fremdschämen. Der Stand-Up Comedian und Macher der Serie Ramy Youssef skizziert seinen autobiografisch angehauchten Charakter als eindeutig fehlbar. Er versucht alle Erwartungen zu erfüllen. Die seiner muslimischen Freunde, die seiner nicht-muslimischen Freunde, die der Imame oder seiner Eltern - und scheitert ständig. Wenn er beispielsweise einer Muslima auf dem ersten Date genauso voller Vorurteile begegnet, wie er es selbst als Muslim schon oft erlebt hat. Entsprechend entsetzt reagiert sie: "Ich bin für dich entweder die Ehefrau oder Mutter; deine Kinder aber ich darf ich nicht bekommen", wirft sie ihm vor. Damit ist das Date dann auch zu Ende. Solche Situationen passieren Ramy ständig.

Auf der Suche nach sich selbst

Er reist in der ersten Staffel sogar bis nach Ägypten, um sich selbst zu finden. Mit mäßigem Erfolg. Auch in der zweiten Staffel gelingt ihm die Selbstsuche erstmal nicht wirklich. Ramy ist völlig frustriert und weiß eigentlich nicht mehr weiter. Als er Hilfe bei einem Imam seiner Moschee sucht, ist der etwas überfordert mit den Details um Ramys Sorge, dass er zu viel Pornos schaue. Ramy solle wie der Prophet sein und keine Pornos gucken, rät ihm der Imam. Das Argument von Ramy, dass der Prophet ja keine Pornos hatte, zählt offenbar nicht, stattdessen beendet der Imam das Gespräch und schickt Ramy zur Arbeit. Also sucht Ramy Hilfe in einem Sufi Zentrum bei einem Sheikh, gespielt von Mahershala Ali, der ihn besser versteht.

Hilfe im Sufi Zentrum

Dass Mahershala Ali mitspielt, den wir aus "Moonlight" oder "Green Book" kennen, hat die Vorfreude auf die zweite Staffel von Ramy ordentlich angeheizt und die Staffel kann die Erwartungen auch erfüllen. Der absurde Humor von Youssef steckt in jeder Zeile. Neben Ali als Sheikh sind einige neue Charaktere spannend, wie die Tochter des Sheikh oder auch die altbekannten Gesichter wie die Mutter von Ramy, gespielt von der großartigen Hiam Abbass. Auch werden wieder zahlreiche popkulturelle Referenzen verarbeitet, mit Vorurteilen aufgeräumt und der Islam auf vielfältige Weise dargestellt. Ramy bleibt also auch mit der zweiten Staffel weiter ein Serienfavorit von mir.

Stand: 07.08.2020, 06:00