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Human Rights Film Festival - "Radio Silence"

Filmszene: Journalistin Carmen Aristegui inmitten einer Menschenmenge

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Human Rights Film Festival - "Radio Silence"

Von Nele Posthausen

Carmen Aristegui ist eine der bekanntesten Journalist*innen in Mexiko. Die Dokumentation "Radio Silence" erzählt von ihrem unerbittlichen Kampf gegen Korruption und Verbrechen.

"Es war einmal ein Präsident... und es waren Journalisten, die die Geschichte dieses Präsidenten erzählt haben", Carmen Aristegui liest diese Worte in einem Saal der Interamerikanischen Menschenrechtskommission. Sie schmunzelt und schließt: "Die Geschichte endet mit Zensur."

Kampf für die Wahrheit

Die Journalistin Carmen Aristegui ruft diese Kommission zur Hilfe, nachdem sie im Jahr 2014 einen politischen Skandal aufgedeckt hat. Es geht um Korruption im nächsten Umfeld des Ex-Präsidenten Enrique Peña Nieto. Die Recherche hat ihr ihren Arbeitsplatz gekostet. Nach der Veröffentlichung hat der Kanal MVS die Journalistin und ihr Team entlassen. Die Dokumentation "Radio Silence" begleitet sie über vier Jahre bei ihrem Kampf für die Wahrheit.

Poetischer Erzählstil

Es sind brutale Bilder, viele schwer verständliche Recherchen und komplizierte Zusammenhänge von Macht und Manipulation. Und trotzdem ist "Radio Silence" ein ungewöhnlich poetischer Film. Filmemacherin Juliana Fanjul erzählt oft in einem "Wir". Und mal scheint dieses "Wir" die Unterstützung der mexikanischen Gesellschaft, mal die Betroffenheit mexikanischer Journalistinnen und mal eine grenzenlose Solidarität zu sein.

Im Stakkato der Informationen

"Octavio Paz hat geschrieben, dass in allen totalitären Regimen die Verfolgung gegen Individuen beginnt, bis nach und nach jeder zum Ziel wird", zitiert Fanjul nachdenklich. Sie hat einen Film erschaffen, der hohe Aufmerksamkeit für das Stakkato der Informationen erfordert und gleichzeitig Raum für Nachdenklichkeit und Betroffenheit lässt.

Stand: 30.09.2020, 11:11