Operation Jane Walk - Spaziergang durch ein postapokalyptische New York

 Operation Jane Walk, Videostill aus dem Kurzfilm - Shooter laäuft im Schnee durch das tote New York

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Operation Jane Walk - Spaziergang durch ein postapokalyptische New York

Von Emily Thomey

In dem Computerspiel "The Division" ist New York City entvölkert. Der Kurzfilm "Operation Jane Walk" zeigt das postapokalyptische New York aus der Perspektive eines Shooters.

In dem Computerspiel "The Division" wurde New York City von Katastrophen heimgesucht. Unter anderem hat ein künstlich hergestellter Virus unfassbar viele Bürger dahin gerafft. Das öffentlichen Leben der Stadt, die für gewöhnlich niemals schläft, ist quasi vollständig abgestorben. Außer ein paar letzten Überlebenden, zu denen wir als Spieler auch zählen. Die Mission der Spieler ist es eigentlich, die Ordnung wieder herzustellen und die Gesellschaft vor dem endgültigen Aus zu bewahren.

Spaziergang durch die Apokalypse

Jetzt ist ein Kurzfilm im Netz erschienen, der uns das postapokalyptische New York aus ganz anderer Perspektive zeigt. Wir sind als Spieler einfach nur Teil einer Stadtführung innerhalb des Spiels. Die Idee von Robin Klengel und Leonhard Müllner ist großartig und unterhaltsam. Wir sind Teil einer kleinen Gruppe von bis an die Zähne bewaffneten Spielavataren. In voller Kampfmontur hängen dicke Maschinengewehre über unsere Schultern und wir halten auch eins im Anschlag.

Aber die Gewehre wollen wir gar nicht benutzen, sondern uns nur die Gegend anschauen und hören dabei dem Stadtführenden zu: "Here we see Brownstones. Houses made of brown sand stone. Typical nineteenths century architecture for the East Coast. The stairs infront of the Brownstones are called stoops."

Brownstones Häuser aus der Shooter Perspektive

Hier sind wir in einer Straße mit den berühmten Brownstones Häusern, die wir aus New York kennen, gebaut aus braunem Sandstein typisch für die Architektur des 19. Jahrhundert an der Ostküste Amerikas. Die Stufen vor den Häusern heißen Stoops und erfüllen auch eine soziale Funktion, machen Nachbarschaften lebendiger und senken die Kriminalität, einfach weil Nachbarn sich auf den Stufen unterhalten, wie es weiter heisst, dazu gibts dann noch einen passenden Song über die Stoops, als wir weiter laufen.

 Wie wunderbar idyllisch. Jetzt ist "The Division" wirklich das Gegenteil von Idylle: Ein Shooter-Spiel in Kriegsgebiet. Wie passt das zusammen? Die Stadtführung durch das apokalyptische New York ist total absurd und das macht den Kurzfilm „Operation Jane Walk“ so wunderbar. Wir müssen uns weg ducken, wenn hier und da mal ein Kugelhagel auf die Stadtführungsgruppe regnet, rechts und links von unserem Weg liegen Autowracks, Leichen und es brennen Ruinen. Aber wir und vor allem der entspannte Stadtführende sind davon völlig unbeeindruckt.

"The rythm of this dead city"

Nicht jeder Blick ist ein angenehmer, wenn wir beispielsweise auf einen heruntergekommenen Spielplatz kommen: „We see an extra character in the background. Just wait for a second and watch him for a while. Now If we don’t disturb him he will continue his performance forever. This is the rythm of this dead city.“ Da beobachten wir aus der Ferne einen Mann, der ununterbrochen auf einen am Boden liegenden Körper schlägt. Der Stadtführende lädt uns ein, zuzuschauen und ein bisschen diesem Rhythmus der toten Stadt zu lauschen.

"Operation Jane Walk" ist tatsächlich gespickt mit ganz vielen Infos über die Architektur New Yorks, die Highways, das Headquarter von PanAm, der amerikanischen Fluggesellschaft, oder dem Trump Tower. Die absurde Mischung aus dystopischer Szenerie und unserer schlendernder Stadtführungsgruppe ist lustig und der Kurzfilm zeigt einen kleinen Ausschnitt der vielen Möglichkeiten, die so ein Computerspiel eigentlich mit sich bringt. Man muss gar nicht immer dem vorgesehen Spiel folgen, sondern kann seine ganz eigene Entdeckungsreise machen: echt empfehlenswert.

Stand: 30.11.2018, 10:30