"One Night in Miami" – Das Treffen der schwarzen Legenden

"One Night in Miami" - Screenshot Sam Cooke (Leslie Odom Jr.) , Muhammad Ali (Eli Goree) Malcolm X (Kingsley Ben-Adir), und Jim Brown (Aldis Hodge) gemeinsam in Miami

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"One Night in Miami" – Das Treffen der schwarzen Legenden

Von Emily Thomey

Der Film "One Night in Miami" spielt in der Nacht vom 25. Februar 1964 als Boxlegende Muhammad Ali damals noch unter dem Namen Cassius Clay die Weltmeisterschaften im Schwergewichtsboxen gewann. Zur Feier des Tages trifft der Champ sich mit Jim Brown, dem Sänger Sam Cooke und dem Politaktivist Malcolm X in einem Hotelzimmer.

Dieses Treffen hat tatsächlich stattgefunden. Was genau gesagt wurde, ist nicht bekannt. Die Schauspielerin, Oscar-Gewinnerin und mit diesem Film auch Regisseurin Regina King wagt sich daran, die Hotelzimmertür zu öffnen. Die Stimmung in dem Raum ist zuerst ziemlich ausgelassen. Schließlich kommen hier vier Schwarze Berühmtheiten zu einem freudigen Anlass zusammen.

Treffen nach dem Boxkampf

Alle vier wissen, wie man eine Bühne für sich einzunehmen hat. Vorneweg natürlich Cassius Clay, der vom Sieg noch völlig elektrisiert ist und nicht still sitzen kann: Warum bin ich so hübsch, sagt Cassius schmunzelnd und freut sich, dass Alexander der Große, der erst mit dreißig die Welt regierte hätte, während er schon jetzt mit gerade mal zweiundzwanzig Jahren Boxweltmeister sei. Das Gespräch der vier bleibt aber nicht lange so ausgelassen: Erst wird klar, dass es statt Alkohol und Frauen nur Vanilleeiscreme gibt und dann geraten die vier Legenden der US-Geschichte in heftige Diskussionen. Malcolm X kritisiert beispielsweise Sam Cooke dafür, dass er immer wieder versuchen würde, einem weißen Publikum zu gefallen.

Sam Cooke muss einstecken

Ganz zu Anfang des Films sehen wir auch, wie Cooke in einem New Yorker Nachtclub erfolglos auftritt. Nie werde er diese Menschen für sich gewinnen, sagt Malcolm X: Für sie bist Du nur ein Affe, ein Aufziehspielzeug in einer Musikbox. Die harte Beleidigung lässt Cooke natürlich nicht so stehen und rechnet Malcolm vor, dass er wirtschaftlich viel unabhängiger sei als alle anderen in dem Hotelzimmer.

Wo verlaufen die Fronten?

Bei jedem Schlagabtausch changieren die vier zwischen ihren persönlichen Konflikten und den ganz großen Fragen: Wie sollte man sich in der Bürgerrechtsbewegung positionieren? Wie können sie ihre Macht nutzen? Und wo verlaufen die Fronten auch innerhalb der Schwarzen. Auch wenn die zentralen Gespräche nur in diesem Zimmer stattfinden, schafft Regina King interessante Blickachsen durch den Raum, lässt die vier Männer Mal auf das Dach des Hotels oder vorne auf die Galerie treten. Wir sehen aber auch z.B. in Rückblenden weitere Auftritte von Cooke, Kämpfe von Cassius Clay, Malcolm X und seine Frau oder Jim Brown, wie er von seinem Nachbarn erst über alles gelobt wird und dann als Schwarzer nicht mal das Haus betreten darf. Der Film ist tief berührend, die diskutierten Konflikte weiter aktuell und die Schauspieler sehr leidenschaftlich in ihren Darstellungen, die sicher noch nachhallen werden.

Stand: 15.01.2021, 08:00