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"OK Chlöe" - Neuseelands jüngste Abgeordnete

"OK Chlöe" - Doku über Neuseelands jüngste Abgeordnete Chlöe Swarbricks

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"OK Chlöe" - Neuseelands jüngste Abgeordnete

Von Emily Thomey

Ihre "OK Boomer“-Ansprache im Plenarsaal des neuseeländischen Parlaments machte Chlöe Swarbricks über Nacht bekannt.

Im neuseeländischen Parlament hat die junge Abgeordnete Chlöe Swarbrick einen Zwischenruf eines wesentlich älteren Kollegen schlagfertig mit "OK Boomer" zurechtgewiesen und einen viralen Hit gelandet. Millionen haben ihren Ausspruch "OK Boomer" gefeiert, weil sie damit deutlich macht, dass die Baby-Boomer-Generation endlich anfangen muss, die Klima-Forderungen der jüngeren Generation zu hören. Chlöe Swarbrick sprach in jener Klimakrisen-Ansprache davon, dass die politischen Institutionen, geleitet von der Boomer-Generation, sich auf Machterhalt konzentriert, statt auf den Erhalt des Planeten. Jetzt zeigt eine Dokumentation des Guardian mehr von Chlöe Swarbrick, der jüngsten Abgeordneten im neuseeländischen Parlament.

Die vergiftete Parlamentskultur

Chlöe Swarbrick ist natürlich mit ihren Mitte Zwanzig eine Ausnahmeerscheinung im neuseeländischen Parlament, ihre Kolleg*innen sind im Schnitt Ende 40. Richtig zu schaffen macht ihr aber die Debattenkultur im Parlament, wie sie dem Guardian Filmteam erzählt: Das Parlament sei eine vergiftete Kultur, das die Menschen auffresse und wieder ausspucke, sagt Swarbrick, das System entmenschliche und dementsprechend verlieren Politiker*innen die Verbindung zu denen, die sie eigentlich repräsentieren sollen.

Das liegt auch an den viel zu langen Arbeitszeiten und dem enormen Druck, der auf den Abgeordneten liegt. Deswegen will die junge Abgeordnete der grünen Partei auch nicht lange in dem Job bleiben. Das klingt sehr resigniert und gar nicht nach der kämpferischen Chlöe Swarbrick, die wir aus dem viralen Internethit kennen. Die Doku vom Guardian zeigt uns ganz verschiedene Seiten von Chlöe.

Chlöe privat

Einmal die unerschrockene, offensive Politikerin, die sehr gut in Worte fassen kann, was sie denkt, klug und scharf argumentiert und auch motiviert: "Our job is to inspire people to see that they themselves can be that change if they engage in it." Und dann eben die privatere Chlöe, der wir bei einem Umzug zuschauen dürfen, deren Schwester und Vater wir kennenlernen. Und die davon erzählt, adoptiert zu sein und der Depression, die folgte nachdem ihr Vater ihr das offenbart hat. Von dieser Depression ist in der Doku nichts mehr zu spüren - ganz im Gegenteil: Chlöe Swarbrick ist mit sich und ihrer Familie im Reinen, so scheint es zumindest.

Aufruf zur Veränderung

Für Chlöe ist völlig klar, dass jetzt ganz dringend Veränderungen stattfinden müssen. Und dass leider viel zu viele Menschen schon aufgegeben haben und nicht einmal mehr wählen gehen. Wer nicht wählen gehe, der verstärke die Macht in der Hände derer, die sie jetzt schon haben, sagt Chlöe. Ihr Ziel ist, dass möglichst viele Menschen sich wieder involvieren.

Stand: 25.09.2020, 06:00