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Liebe – ein Gefühl in Bewegung

"Nos amours – Unsere Lieben" - zwei Männer eine Frau zusammen im Bett

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Liebe – ein Gefühl in Bewegung

Von Nele Posthausen

Was ist das, die Liebe? Und was bedeutet sie heute? Das fragt in kunstvollen Bildern die neue arte-Doku "Nos amours – Unsere Lieben".

Der Film zeigt ein diverses Bild von Liebe. Er stellt vor allem junge Menschen unter 30 vor. Außer ihrem Alter haben die aber nicht viel gemein: Es sind Menschen aus Frankreich und aus Deutschland, die in sehr unterschiedlichen Beziehungen leben. Da ist das glückliche trans* Paar Valeria und Leo. Zwei, die einen schwierigen Weg zu sich selbst und einen schönen Weg miteinander haben. Wir lernen Menschen kennen, die sich unglücklich getrennt haben, obwohl am Anfang alles so rosig aussah. Und Menschen, wie Valentin und Zelda. Ihre Beziehung hat als Dreierbeziehung gestartet. Jetzt leben sie zu zweit – und fast immer monogam: "So wie wir angefangen haben und jetzt, wo wir die Dinge ein bisschen festgezurrt haben, wir zu zweit sind, da habe ich das Gefühl, dass ich manchmal nicht genug sein werde", fürchtet Zelda. Die beiden sitzen nah aneinandergedrückt auf dem Bett. Ein kleiner Raum irgendwo in Frankreich. "Ja klar, das ist doch nochmal", entgegnet Valentin. Aber ganz zufrieden, das scheinen die beiden noch nicht.

Liebe – gibt es nicht nur in Beziehungen

Und während Zelda und Valentin im Film die passende Beziehungsform suchen, suchen andere die Liebe ganz ohne Beziehung. Sich nach sexualisierter Gewalt wieder mit Sex und Anziehung versöhnen. Sich selbst lieben und sich selbst etwas wert sein – der Film zeigt, dass das in unserer Gesellschaft manchen Menschen besonders schwer gemacht wird: "Ich sehe so junge, schwarze Mädchen in Deutschland und ich bin so: wie denkst du über dich?", das ist Sophie Yukiko. Die Choreographin ist eine präsente, Raum einnehmende Person. Dicker roter Lippenstift, mal offen krauses Haar, mal streng geglätteter Zopf: "Wieso denkst du, dass du das und das nicht machen kannst, dass du niemals eine Beziehung haben wirst, niemals Kinder haben wirst? Und dann muss ich mit Erschrecken feststellen, dass ich genau den gleichen Dialog mit mir hatte, über viele, viele Jahre." Sophie Yukiko wirkt nachdenklich. Die Choreographin hat gelernt, sich in der queeren Ballroom-Community selbst zu entdecken, zu verwirklichen und über sehr ausdrucksstarken Tanz auch anderen marginalisierten Menschen eine Bühne zu gegeben.

Liebe – rein ins Museum!

Sophie Yukiko wird mit ihrem Tanz-Video, dem sogenannten Voguing im Bode-Museum gezeigt. Die Choreografie "Here" hatte sie Ende 2019 dort inszeniert, um Fragen rund um Kolonialismus, Macht, Herrschaft und eben auch Liebe aufzuwerfen. Aber auch die anderen Protagonistinnen werden im Film überraschend tanzend gezeigt. Und das ganz ohne Überleitung oder Kontext. Die Szenen wirken surreal, mal tanzt eine Person in einem Feld, mal zwischen mächtigen Säulen eines öffentlichen Gebäudes. Diese künstlerischen Einsätze machen die Doku besonders und geben Raum, um über das Gesagte nachzudenken. Denn eine Dokumentation über ein Gefühl wie die Liebe, braucht nicht unbedingt viele Zahlen oder historische Fakten zu erzählen, um starke Aussagen zu treffen.

Stand: 25.11.2020, 08:00