Live hören
Jetzt läuft: Djanya Wofu von Farafi

Die Neuen im EU-Parlament

Re: Neulinge im EU-Parlament

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Die Neuen im EU-Parlament

Von Emily Thomey

Im Frühjahr diesen Jahres haben so viele Europäer ihr EU-Parlament gewählt wie seit 25 Jahren nicht mehr. Das, was in Brüssel und Straßburg im Parlament passiert, ist aber trotzdem immer noch ziemlich weit weg für viele. Deswegen hat arte jetzt eine Reportage gemacht, die ein paar neue Politiker und Politikerinnen im Parlament begleitet.

Arte hat dafür vor allem Außenseiter im Politikbetrieb gewählt - so wie den Satiriker Nico Semsrott. Ihr kennt ihn vielleicht von seinen Stand-Up-Shows und Videos. Sein Markenzeichen ist der dunkle Kapuzenpulli, dessen Kapuze er immer bis ins Gesicht gezogen hat - und seine depressive Stimmung.

Der Blick der Außenseiter, die dann auch noch neu im EU-Parlament sind, ist so spannend, weil sie einerseits eine frische Sicht haben auf das, was ihre Arbeit in Zukunft ausmachen wird. Und auf eine bestimmte Art werden sie immer einen Blick von außen auf das Geschehen haben.

Der Satiriker Nico Semsrott hat aber trotz seines Images eine klare, politische Haltung: "Alles, was mit Demokratie und Rechtsstaat zu tun hat, ist aus meiner Sicht progressiv. Mehr Transparenz, weniger Korruption, dass sich Unternehmen an Gesetze halten müssen und auch Steuern zahlen müssen, das wär für mich auch eine progressive Idee." Nur so ganz leicht schimmert da seine satirische Seite durch. Nico ist eben eher der ruhige Satiriker und hat damit eine Reichweite von 175.000 auf Youtube - weit mehr als viele anderen EU-Politiker von sich behaupten können.

Vergleichbar zu seinem Parteikollegen Martin Sonneborn hat Nico schon damit angefangen, Wortmeldungen in Aktionen zu verwandeln, die er dann filmen lässt und auf seinen Kanälen verbreitet. Er sieht sich nicht als klassischer Politiker, der legislative Arbeit übernimmt, sondern eher als eine Art Mediator: "Wir versuchen diese riesige Diskrepanz, die es einfach gibt, zwischen dem professionellen Politbetrieb und denen, die diesen Politbetrieb ja letztlich finanzieren und beauftragen, kleiner zu machen."

Damit sorgt Nico Semsrott auf jeden Fall dafür, dass viele Menschen, die sich vorher überhaupt gar nicht mit der EU-Politik beschäftigt haben, zumindest über ihn etwas mehr davon mitbekommen – wenn auch in Form von bissigen Satirevideos, statt ernstgemeinter Politik.

Außer Nico Semsrott begleitet die Doku auch noch eine Politikerin von Rassemblement National, dem ehemaligen Front National - also den französischen Rechtspopulisten. Auch sie ist eine Außenseiterin im Parlament. Abgesehen davon hat sie aber nichts mit Nico Semsrott gemeinsam. Julie Lechanteux nimmt den Job sehr ernst, auch wenn sie sich, wie einige andere Rechtspopulisten, gegen das EU-Parlament positioniert.

Es ist aber interessant zu sehen, wie die neuen Abgeordneten in den Betrieb eingeführt werden, dass sie Betreuer an der Seite haben, die ihnen auch dabei helfen. Und gerade jemand wie Nico Semsrott zu beobachten, ist natürlich auch sehr unterhaltsam. Das macht die Reportage auch so sehenswert.

Stand: 11.12.2019, 06:00