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"Online Shops für Nazis" – Rechte Literatur frei Haus

Online Shops für Nazis: Wir suchen die Anbieter

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Online Shops für Nazis" – Rechte Literatur frei Haus

Von Christian Werthschulte

Nazistische und antisemitische Ideologie ist in Deutschland immer noch weit verbreitet. Kein Wunder, denn die Literatur dazu kann man im Internet bestellen – obwohl sie illegal ist. Wie das funktioniert, erklärt der Dokumentarfilm "Online Shops für Nazis: Wir suchen die Anbieter".

Nazi-Literatur kann man bestellen, wie ein Paar Sneakers. Man ruft die Webseite eines Internetversands auf, bestellt die Ware und ein paar Tage später bringt einem ein Paketdienst das alles zu Hause vorbei. "Nazi-Versandhändler gibt es viele in Deutschland. Wir zählen knapp 60 Stück. Im Angebot der braunen Warenhäuser: Alles was ein Nazi so braucht", sagen Sebastian Heidelberger und Timo Robben. Sie arbeiten für Strg-F, einen Reportagekanal von Funk, dem jungen Angebot von ARD und ZDF.

Bei dem Nazi-Versandhandel "Der Schelm" haben sich die Beiden antisemitische Literatur wie den "Giftpilz" oder "Mein Kampf" bestellt, um seinem Betreiber auf die Spur zu kommen: "Laut Polizei rechtsmotivierter Straftäter. Er ist ehemaliger Mitarbeiter der 'Deutschen Stimme', einer NPD-Zeitung. War Produzent von Rechtsrock. Außerdem ist er mehrfach vorbestraft und 2002 hat er eine dreijährige Freiheitsstrafe abgesessen – wegen Volksverhetzung", so wird Preißinger im Film vorgestellt. Seit vier Jahren wird wieder gegen ihn ermittelt – erneut wegen Volksverhetzung.

Online Shops für Nazis: Wir suchen die Anbieter

Aber die Polizei kommt nicht weiter. Die beiden Reporter von Strg-F finden aber heraus: An allen Adressen, mit denen Preißinger verknüpft ist – in Berlin, in Leipzig oder in Tschechien – ist er nicht auffindbar. Er hat sich ins Ausland abgesetzt, nach Russland.

Den Versandhandel "Der Schelm" betreibt mittlerweile jemand anderes: Enrico Böhm, ein ehemaliger NPD-Kreisvorsitzender, auch er ist mehrfach vorbestraft. Das finden die beiden Journalisten heraus, als sie den Paketshop beobachten, an dem ihre Bestellungen aufgegeben werden. Eine tolle Recherchearbeit, die nur eine Schwäche hat: Sie ist zu kurz. Denn ebenso interessant wäre es, wer diese Nazi-Pamphlete druckt und lektoriert, wer die Touren von Rechtsrock-Bands organisiert und ihre Platten aufnimmt und wieviel Umsatz mit sowas eigentlich gemacht wird. Aber dafür können Heidelberger und Robben sich ja dann erneut ins Auto setzen.

Stand: 21.02.2020, 06:00