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Die Kinder der Narco Zone

"What It's Like to Grow Up in the Narco Zone - Kinder mit Gesichtsmasken in Schuluniform

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Die Kinder der Narco Zone

Von Emily Thomey

Die Dokumentation der New York Times "What It's Like to Grow Up in the Narco Zone" fragt, wie es ist an einem Ort aufzuwachsen, der sich in Hand der Drogenszene befindet.

Die fiktionalen Geschichten über die Drogenkartelle in Kolumbien und Mexiko sind gut bekannt und sogar gerne gesehen: Die gefeierte Serie "Narcos" über Pablo Ecobar oder "El Chapo", die Serie über den gleichnamigen mexikanischen Drogenbaron, dem gerade in den USA der Prozess gemacht wird. Aber wie ist es tatsächlich mit Drogenkartellen aufzuwachsen? Dort zur Schule zu gehen oder den Sohn oder die Tochter von einem Gangmitglied zu unterrichten?

Der mexikanische Dokumentarfilmer Everardo González besucht Schüler*innen und Lehrer*innen in der Narco Zone. So nennt er auch den Dokumentarfilm, den wir jetzt im Netz sehen können: "Die Kinder der Narco Zone". Jeder in der Narco Zone hat irgendeine Verbindung zu den Drogenkartellen: Entweder haben sie Freunde oder Verwandte, die Opfer der Gewalt der Drogenkartelle sind, die vielleicht sogar spurlos verschwunden sind oder sie sind selbst Teil der Kartelle.

Eine Lehrerin erzählt in der Doku davon, wie ein Fünfjähriger in der ersten Klasse, die sie unterrichtet, mit einem spitzen Stock auf einen Mitschüler losgehen wollte. Sie konnte ihm den Stock aus der Hand reißen, aber der Fünfjährige hat ihr dann gedroht: Sein Vater würde kommen und die Lehrerin nach der Schule töten mit seiner AK-47, also einem Maschinengewehr. In der Narco Zone hat so eine Drohung - auch wenn sie von einem Fünfjährigen kommt - eine ganz andere Ernsthaftigkeit, weil der Vater tatsächlich so ein Gewehr besitzt und zum Drogenkartell gehört.

Die Lehrerin ist ganz offen mit ihrer Angst. Es ist auch völlig klar, dass keiner der Schüler*innen durchfallen wird, wenn ihre Eltern zu den Drogenkartellen gehören. Das sind die ungeschriebenen Regeln. Der Regisseur González lässt auch eines der Gangmitglieder erzählen, wie er aufgewachsen ist: In meiner Nachbarschaft waren die Superhelden, die die gerade aus dem Gefängnis kamen, sagt ein Teenager. Zu denen schauen sie auf und wir wollen auch so sein. Und das werden sie dann auch: Die Armee der Drogenkartelle besteht ja vor allem aus sehr jungen Leuten.

Die Kurzdoku, die wir bei der New York Times gerade sehen können ist nur ein kleiner Ausschnitt der Dokumentation "Devil’s Freedom", in der González auch Auftragskiller und Gefolterte ihre Geschichten erzählen lässt. Es geht ihm dabei nicht darum, einen Ausweg zu zeigen, sondern alle Stimmen zu hören und damit auch deutlich zu machen, dass die Linien zwischen Tätern und Opfern in diesem Drogenkrieg nicht so leicht zu ziehen sind.

Stand: 11.01.2019, 10:00