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"Nach jeder noch so langen Nacht" - Doku über Omar Blondin Dlop

Screenshot: "Nach jeder noch so langen Nacht"

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"Nach jeder noch so langen Nacht" - Doku über Omar Blondin Dlop

Von Christian Werthschulte

Ein Dokumentarfilm schildert das Leben des anti-kolonialen Intellektuellen Omar Blondin DIop. Für viele junge Menschen aus den französischen Kolonien war Diop ein Idol. Der französische Dokumentarfilm "Nach jeder noch so langen Nacht" zeichnet sein Leben nach.

In Deutschland ist Omar Blondin Diop so gut wie unbekannt. In Frankreich und Senegal wird er gerade jedoch wiederentdeckt – als einer der interessantesten antikolonialen Intellektuellen der späten 60er-Jahre. "Omar ist eine Figur, in der sich jeder Afrikaner, vor allem jung und gebildet, wiedererkennen kann", sagt sein Bruder Cheikh Hamalah Blondin Diop. "Nicht nur in seinem etwas tragischen Schicksal, sondern auch in seiner Ablehnung der etablierten Ordnung."

Für junge Menschen in Idol

1968 hat Omar Blondin Diop in Paris studiert, er war eine zentrale Figur der Studierendenproteste: ein junger Intellektueller, politisch versiert, aber auch an Literatur und Film interessiert. Für viele junge Menschen aus den französischen Kolonien war Diop ein Idol. Der französische Dokumentarfilm "Nach jeder noch so langen Nacht" zeichnet das Leben des jungen Intellektuellen nach.

1969 wird Diop wegen seiner politischen Aktivität aus Frankreich ausgewiesen und kehrt in den Senegal zurück, wo er Kontakt zu politischen Aktivisten hält, die wegen Anschlagsplänen ins Gefängnis geworfen werden. Dort landet Diop später ebenfalls – er soll die Flucht seiner Freunde geplant haben. 1973 wird er tot in seiner Zelle aufgefunden. Die Behörden sprechen von Selbstmord, seine Genossen sind jedoch bis heute davon überzeugt, dass er umgebracht worden ist.

Godard-Film: Omar Blondin Diop spielt sich selbst

Viele Menschen seiner Generation kannten Omar Blondin Diop jedoch aus dem Kino. Er spielt eine wichtige Rolle in "Die Chinesin" einem Spielfilm von Regisseur Jean-Luc Godard. Dort spielt er Omar, einen jungen Maoisten, der einen Vortrag über Marxismus und die koloniale Frage hält. "Die Chinesin" zeigt, wie sich junge Menschen von der chinesischen Kulturrevolution unter Mao inspirieren lassen. Und Omar stellt dar, wie sehr die Unabhängigkeitsbewegungen in Afrika China idealisiert haben.

Die Macher von "Nach jeder noch so langen Nacht" untersuchen auch, wie sich diese Begeisterung heute in Senegal ausdrückt. Dort ist China ein wichtiger Investor, so dass mittlerweile eine neue Abhängigkeit entstanden ist. Dieser Film fragt dann, was das Erbe von anti-kolonialistischen Intellektuellen, dieser 68er-Generation, im Senegal ist.

Zuschauer sollen mitdenken

Und für diese Fragen greift "Nach jeder noch so langen Nacht" auf die Filmtechniken der 60er-Jahre zurück. Regisseure wie Jean-Luc Godard wollten damals bewusst "anti-realistische" Filme machen. Ihr Publikum sollte nicht in der Illusion des Kinos versinken, sondern mitdenken und Zusammenhänge verstehen.

Das will dieser Film auch. Er mischt deshalb Interviews, Szenen aus Godard-Filmen und Aufnahmen aus Senegal, die sowohl dokumentarisch als auch inszeniert sind - zum Beispiel vom Besuch einer chinesischen Politikdelegation, die mit Szenen von einem Kung-Fu-Training gegengeschnitten wird. Den Zusammenhang muss man sich beim Zuschauen selbst erschließen. "Nach jeder noch so langen Nacht" ist ein Dokumentarfilm, der seine Zuschauer ernst nimmt.

Stand: 19.08.2020, 06:00