Serie: "Mrs. America" - Frauen gegen die Gleichberechtigung

Screenshot: "Mrs America"

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Serie: "Mrs. America" - Frauen gegen die Gleichberechtigung

Von Emily Thomey

Cate Blanchett nimmt sich die harten Stoffe zur Brust. Gerade erst haben wir sie in "Stateless gesehen", einer von ihr auch produzierten Serie über die Einwanderungspolitik Australiens. Jetzt steht sie als Antifeministin in der Dramaserie "Mrs America" vor der Kamera.

Ja, als Antifeministin. Blanchett spielt eine konservative Politikerin, die in den 70er-Jahren gegen den Verfassungszusatz für die Gleichstellung von Mann und Frau in der amerikanischen Verfassung gekämpft hat. Die Serie basiert also auf wahren Begebenheiten.

Jene Phyllis Schlafly ist eigentlich eine super kluge Frau, studierte Anwältin, kennt sich in der Außenpolitik der USA sehr gut aus und hat politische Ambitionen. Am Anfang der Serie interessiert sich Schlafly noch gar nicht für den Equal Rights Amendment - in der Serie sprechen sie nur vom ERA -, den Verfassungschutzzusatz für die Gleichstellung von Mann und Frau. Es gäbe wichtigeres als die Gleichstellung von Mann und Frau - die Außenpolitik beispielsweise, so Schlafly.

Aber Schlafly ist auch Hausfrau und Mutter und abhängig von der finanziellen Unterstützung ihre Mannes, um ihre politische Arbeit zu machen. Der Klassiker - finanzielle Abhängigkeit vom Mann als Ernährer der Familie. Eigentlich das Sprungbrett, sich politische für die Gleichstellung - also für den Verfassungszusatz einzusetzen. Philly wählt aber genau das Gegenteil, um sich in Washington bekannter zu machen und ihre politische Macht auszubauen.

Als gut vernetzte Frau kennt sie sehr viele Mütter und Hausfrauen, die sich ihr anschließen. Ihre Argumente - es werde eine "genderneutrale Gesellschaft" erschaffen und Frauen in den Vietnamkrieg geschickt. Damit sind wir mitten im Kampf von Frauen gegen Frauen. Schlafly hat schlagfertige Feministinnen gegen sich. Darunter die Journalistin Gloria Steinem (Rose Byrne) oder Shirley Chisholm (Uzo Aduba), die die erste afroamerikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus der USA war.

Das macht die Serie "Mrs America" auch so gut: Sie zeigt den politischen Kampf hinter den Kulissen: Zwischen Demokraten und Republikanern, zwischen den beiden Bewegungen - für und gegen den ERA und innerhalb dieser Gruppen. Einigen wie Gloria Steinem ist die Legalisierung von Abtreibungen besonders wichtig, die im politischen Sprech als "reproduktive Freiheit" besser verkauft werden kann. Shirley Chisholm die Diskriminierung von Schwarzen und andere sind vor allem interessiert daran, ihre Verbündeten oder auch sich selbst in die erste politische Reihe zu stellen.

"Mrs. America" schlüsselt die Mechanismen und Argumente der Feministinnen und Antifeministinnen auf, die auch heute immer noch zu hören sind - mit sehr guter Besetzung und unterhaltsam.

"Mrs. America" läuft immer dienstags um 21.00 Uhr auf FOX und ist außerdem auf Sky, MagentaTV, Vodafone Select und GigaTV verfügbar.

Stand: 02.09.2020, 06:00