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Aktivismus in Iran: "Mit wehenden Haaren gegen die Mullahs"

Masih Alinejad

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Aktivismus in Iran: "Mit wehenden Haaren gegen die Mullahs"

Von Nele Posthausen

"Chamenei, lass das Volk frei", rufen die Menschen in Iran. Die Rufe haben wir während der Proteste vor zwei Jahren viel gehört – und hören sie jetzt wieder, in der Dokumentation: "Mit wehenden Haaren gegen die Mullahs".

Diese Doku könnte eine Trigger-Warnung vertragen: Wir sehen, wie Menschen in den Protesten 2019 erschossen werden, heftige Auseinandersetzungen und jede Menge Polizeigewalt. Davor ist Nahid Persson geflohen. Seit 40 Jahren lebt die Filmemacherin im Exil in Schweden. Sie begleitet Menschen aus ihrem Land, dem Iran, die sich gegen das Regime von Staatsoberhaupt und geistlichem Führer Ayatollah Ali Chamenei wehren.

Im Iran steht der Mann über der Frau

Auch aus den Jahren davor gibt es erschreckendes Videomaterial von öffentlichen Hinrichtungen, Auspeitschungen und sehr viel Gewalt gegen weibliche Personen in Iran. Diese Gewalt hat auch Masih Alinejad erlebt: "Ich war Parlamentsreporterin. Die erste Antwort auf egal welche Frage war immer: Bedecke deine Haare, dann kannst du Fragen. Ein Abgeordneter drohte mir 'Haare unters Tuch oder ich schlage dich'. Das ist Diktatur!". Diese Handlungen seien vom iranischen Gesetz abgesichert. Es stelle den Mann über die Frau, analysiert sie kritisch.

Persönliche Momente

Masih Alinejad ist die zentrale Figur der Dokumentation. Und sie hat viele Gemeinsamkeiten mit der Filmemacherin. Beide sind Journalistinnen, beide setzen sich gegen das Unrecht in Iran ein und beide leben im Exil. Filmemacherin ist Nahid Persson, sie lebt seit 40 Jahren in Schweden. Sie erzählt im Film von ihrem Freund, dem Blogger Ruholla Zam, der 2020 durch die iranische Regierung entführt, zur öffentlichen Reue gezwungen und hingerichtet worden ist. Dabei lässt Nahid Persson als Regisseurin ungewöhnlich viele eigene Gefühle zu; zeigt sich selbst in sehr schwachen Momenten.

Proteste gegen Kopftuchzwang

Die Doku startet mit einem engen Fokus auf dem Kopftuchzwang im Iran und den fast spielerischen Protesten vieler junger Frauen in Sozialen Medien dagegen. Sie werfen ihre Kopftücher fort, singen in der Öffentlichkeit, gehen protestieren.  Am Ende sehen wir, wie viele dieser Protestierenden heute im Gefängnis sind – oder bereits tot. Dabei wird deutlich, dass es der Filmemacherin nicht darum geht, Kopftücher oder eine gläubige Lebensweise zu verurteilen. Stattdessen zeigt Nahid Persson, wie das Regime im Iran den Glauben vorschiebt, um Menschen systematisch zu unterdrücken und ihnen ihre Freiheiten zu rauben.

Stand: 21.07.2021, 06:00