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"Maude": Im Leben einer anderen

Flimmern: Maude

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Maude": Im Leben einer anderen

Von Nora Wilker

Babysitten, Kellnern, Kassieren - In ihren Zwanzigern verdient sich Christin mit kleinen Jobs was dazu. Als sie bei einer neuen Babysitterfamilie vor der Villa steht, entpuppt sich ihre neue Arbeitgeberin als alte Klassenkameradin.

Die ist ebenfalls Mitte Zwanzig, aber bereits verheiratet, Mutter und hat ein eigenes Modelabel. Wie Christin darauf reagiert, zeigt der amerikanische Comedy-Kurzfilm "Maude". Der Vergleich zwischen den beiden erweckt ein unwohles Gefühl. Bei ihrem ersten Arbeitstag arrangiert sie sich aber mit der Situation, schlüpft in ein Jogging-Outfit von Preshilla, der Mutter, und will mit dem Kinderwagen raus, als eine Nachbarin sie anspricht: "Ihr Baby ist aber süß, wie alt ist es denn?" Zögerlich antwortet Christin: "13 Monate?"

Flimmern: Maude

Christin gibt sich als Mutter des Babys aus. Später am Nachmittag trägt sie die schicken Kleider der Mutter, quatscht mit dem Kaffeeverkäufer darüber, was sie ihrem Baby für einen Namen gegeben hat. Der sagt nur: "Die Kleine sieht genau so aus wie du!"

In dem Kurzfilm von Anna Margaret Hollyman geht es um Neid, Unzufriedenheit und das Gefühl, sich mit jemand anderem vergleichen zu müssen. Und davon erzählt er mit einem sehr eigenen Humor. Der stereotype Wellness-Smoothie-Lifestyle, den die Mutter lebt und in den die Protagonistin dann eintaucht, ist sehr satirisch dargestellt: Im Kühlschrank stehen nur grüne Smoothies. Die Mutter trägt immer diesen überdimensional großen Hut. Auch der Smalltalk zwischen den joggenden Müttern und dem Kaffeeverkäufer ist sehr klischeehaft. Neben viel Witz steckt aber auch Kritik drin: Nämlich die Frage, ob es Christin mit dem Leben, in das sie kurzzeitig schlüpft, wirklich besser gehen würde.

Stand: 31.01.2020, 15:00