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Master of the Universe

Still aus der Dokumentation "Master of the Universe"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Master of the Universe

Von Emily Thomey

Vor zehn Jahren nahm die Finanzkrise mit der Pleite der Lehmann-Brothers-Bank ihren Anfang. Mit "Master of the Universe" gibt es jetzt eine Dokumentation über die Finanzwelt, die zu den besten gehört, die unsere Reporterin Emily Thomey jemals gesehen hat.

Wer sich als "Master of the Universe" beschreibt, ist entweder Superheld in einem Comic oder größenwahnsinnig. In unserem Input sprechen wir diese Woche in COSMO über Banken, zehn Jahre nach der Krise von 2008, die mit der Pleite der Lehmann Brothers Bank ihren Anfang nahm. "Master of the Universe" ist eine Dokumentation, die wir im Netz sehen können. Die Dokumentation ist eine der Besten, die ich über die Finanzwelt je gesehen hat.

Der Regisseur Marc Bauder lässt den ehemaligen Investmentbanker Rainer Voss von seinem früheren Leben in der Finanzwelt erzählen. Voss ist als Banker reich geworden und tritt in der Doku "Master of the Universe" in einem verlassenen Bankgebäude in Frankfurt als schonungsloser Zeuge auf. Mit sehr klaren Worten beschreibt er, wie er sich verhalten musste, um im Finanzsystem erfolgreich zu sein: "Nicht den kleinsten Anschein des Zweifels erwecken oder auch nur andeutungsweise formulieren, dass es vielleicht ein paar Sachen gibt, die man anders machen könnte oder sollte. Politische Äußerungen bloß nicht. Bedingungslose Loyalität gegenüber der Organisation. Es ist letzendes wie bei der Armee."

Wie in der Armee leben die Banker in einer in sich geschlossenen Parallelwelt mit fatalen Folgen: "Die Kinder gehen in denselben Kindergarten. Man macht denselben Urlaub an denselben Orten, man fährt zum Skilaufen oder man fährt auf die Seychellen oder Mauritius. Und dann wird daraus so ein geschlossenes System, in dem man sich immer mehr von der Wirklichkeit entfernt. Deswegen mach ich mir auch keine Gedanken darüber, ob das, was ich in meinem Job mache, irgendwelche Auswirkungen auf die Welt da draußen hat."

Als Aussteiger kann Voss bitter darüber lachen, dass sich die Banker selbst nicht mehr dafür interessieren, ob das, was sie da machen, anderen schadet. Und die Dokumentation bleibt bei dieser persönlichen Sicht. Dazu liefert sie aber auch detailliert und ohne zu kompliziert zu sein, Einblicke, wie Finanzprodukte entwickelt werden und die Runde machen. Wir sehen lange Kamerafahrten durch diese kühlen Bauten aus Glas, Beton und Stahl, manchmal sogar noch, wie Schnee vom Himmel rieselt und es läuft mir kalt den Rücken herunter.

Rainer Voss sieht die Lösung bei den Politikern und in der Chefetage der Banken: "Wenn ein Chef einer großen Investmentbank morgen eine E-Mail rausschickt, wo drin steht: 'Jeder Händler, der noch gegen beispielsweise Spanien spekuliert, der fliegt raus. Dann ist sofort Schluss damit. Da müssen natürlich auch noch andere Beteiligte mitmachen, Nichtbanken und so weiter. Aber wenn der Wille dazu da wäre, dann wäre das so, als würde man einen Wasserhahn zudrehen." Wie genau eine Welt ohne riskante Spekulationen aussehen kann, weiß Voss allerdings selbst nicht so genau.

"Master of the Universe" macht keinen Mut, aber die Doku zeigt uns, dass auch machtvolle Mitspieler letztlich nur Figuren im großen Spiel sind. Und es gilt das große Spiel kollektiv zu ändern, statt Einzelne dafür zu verurteilen, dass sie mitspielen.

Stand: 14.09.2018, 06:01