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"Mare of Easttown" – Ein Kriminalfall und jede Menge Humor

Kate Winslet in "Mare of Easttown"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Mare of Easttown" – Ein Kriminalfall und jede Menge Humor

Von Emily Thomey

Kate Winslet spielt eine Kleinstadt-Ermittlerin in einem düsteren Krimi, der aber erstaunlich gute Laune hinterlässt und sogar Saturday Night Live zu Scherzen angeregt hat.

Ja, klar, beim Namen Kate Winslet kommt man an dem schnulzigen Blockbuster "Titanic" vermutlich nicht vorbei. Dabei hat die britische Schauspielerin so viele andere großartige Rollen gespielt. Jetzt gerade spielt sie im Krimi "Mare of Easttown" eine Polizistin in einer US-amerikanischen Kleinstadt, in der junge Frauen verschwinden. Die Serie hat international einiges an guten Kritiken bekommen, am Freitag (11.06.) erscheint das lang ersehnte Finale auch in Deutschland.

Ich kann die Serie sehr empfehlen - trotz der toten Frauen. Das Klischee des "dead white girl" - der toten, weißen Frau - kann zwar mittlerweile ein Grund sein, bestimmte Serien nicht zu schauen. Aber "Mare of Easttown" erzählt den Kriminalfall glücklicherweise klischeefrei. Kate Winselt ist jene titelgebende Mare und hat seit einem Jahr einen Fall auf ihrem Tisch, den sie bisher nicht lösen konnte. Eine junge Frau wird vermisst und deren Mutter macht öffentlichkeitswirksam Druck, sodass Mares Chef den Druck weiter gibt. Mare bekommt einen anderen Ermittler an die Seite und die Einzelkämpferin ist richtig angepisst deswegen.

Diese Wut zieht sich durch die Serie, weil Mare auch sonst kein einfaches Leben hatte, einige krasse Traumata erlebt und geliebte Menschen verloren hat. Irgendwie läuft nichts in ihrem Leben rund. Dann wird auch noch eine weitere junge Frau gefunden - sogar ermordet. Das ist das Setting der Serie.

Aber so düster das Setting ist, das Schauspielerensemble ist so gut, ich weiß gar nicht, wen ich zuerst abfeiern soll: Klar, Kate Winslet ist der Star und ihrem Charakter kommen wir am nächsten. Ihre Mutter Helen, gespielt von Jean Smart, ist ungefähr genauso großartig. Am Set mussten sich alle zusammenreißen, nicht zu lachen, weil die beiden so gut zusammen funktioniert haben. Beide sind harte Brocken, die ihre Gefühle kaum in Worte fassen können und jede pflegt ihre Macken: Die eine trinkt ein paar Manhatten am Tag zu viel, die andere grummelt alles und jeden an.

Im Kern sind sie - wie auch fast alle anderen Menschen in der Serie - vor allem freundliche, pflichtbewußte Menschen, die versuchen trotz der zum Teil echt beschissenen Umstände irgendwie klar zu kommen. Und auch wenn so viel Mist in ihrem Leben passiert, hat die Serie einen tröstenden, optimistischen Unterton. Das liegt auch daran, dass der Kriminalfall gar nicht das Wichtigste an der Serie ist, auch wenn er natürlich für Spannung und Cliffhanger sorgt.

In "Mare of Easttown" geht es eigentlich darum, Trauer und Verluste zu bewältigen, langjährige Freundschaften zu halten - egal was kommt - und irgendwie immer wieder aufzustehen. Dabei wird nichts beschönigt oder mit Make-Up oder anderen Mitteln überdeckt, sondern so gezeigt, wie es ist. Das macht die Menschen und auch die Serie selbst so sympathisch, liebevoll und auch unterhaltsam.

Wie detailgetreu die Serie gestaltete wurde, zeigt beispielsweise der Umgang mit dem lokalen Akzent der Gegend Delaware County - Delco Accent genannt. Die Comedy-Show Saturday Night Live hat daraus sogar einen Sketch gemacht, der auf dem Insta-Kanal der Show zu sehen ist. Die Serie hatte in den USA so viele Fans, dass bei deren Finale der Server von HBO Max in den ersten Minuten zusammengebrochen ist.

"Mare of Easttown" - ab jetzt könnt ihr das Finale bei SKY sehen und in der neuen Folge vom WDR COSMO Serienpodcast sprechen Jörn und ich auch noch ausgiebiger über die Serie.

Stand: 11.06.2021, 11:03