Liebe ist die Botschaft

Hanna (Banafshe Hourmazdi) und Franzi (Lena Klenke) schauen im Bett liegend zur Decke

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Liebe ist die Botschaft

Von Christian Werthschulte

Die Pride-Saison ist dieses Jahr wegen der Pandemie weitgehend ausgefallen. Aber in den Mediatheken sind queere Menschen so präsent wie selten zuvor. Das ZDF hat gerade eine neue queere Serie hochgeladen: "Loving her".

Die Serie erzählt aus dem Leben einer jungen lesbischen Frau. Hanna ist Anfang 20. Eigentlich kommt sie aus Bielefeld, jetzt studiert sie aber Literatur in Berlin. Dorthin ist sie mit ihrer ersten großen Liebe Franzi gezogen. "Ich bin gestern wieder zu spät zum Seminar gekommen, "Ich glaube, ich muss meinem Prof die Wahrheit sagen" flüstert Hanna verliebt in Franzis Ohr, "mein Girlfriend ist ein sexbesessenes Monster, das nicht genug von mir kriegen kann".

Trotz allem hat die Liebe von Hanna und Franzi kein Happy End. Sie trennen sich und Hanna zieht los, um die queere Szene Berlins zu entdecken. Und dabei verliebt sie sich immer wieder aufs Neue, und auch in sehr unterschiedliche Frauen: Lara zum Beispiel geht wahnsinnig viel feiern, die Sängerin Anouk möchte gerne nur mit Hanna befreundet sein. Am weirdesten ist aber die Affäre mit Josephine. Josephine ist Mitte 40, hat Kinder und führt eine offene Beziehung. Und sie ist die Chefin des Verlags, in dem Hanna ein Praktikum macht. "Warum hast du mir keine sehr gute Bewerbung gegeben?" fragt Hanna ihre Chefin. "Wenn ich dir eine sehr gute Bewertung gebe, denken die Leute, dass du mit deiner Chefin schläfst," antwortet sie und Hanna entgegnet ironisch: "Achso, ich dachte, deswegen schläft man mit seiner Chefin." Und auch wenn Hannas Affären nicht mit der großen Liebe enden, sind sie trotzdem nicht einfach nur unglückliche Lovestorys, sondern zeigen, wie vielfältig das Leben einer jungen lesbischen Frau sein kann.

Aber auch stilistisch ist "Loving her" anders. Jede von Hannas Affären hat ihre eigene Episode, die circa 10 Minuten lang sind. Seit dem letzten Jahr experimentiert das ZDF mit diesem neuen Serienformat. Und das Experiment gelingt. "Loving Her" hat keine unnötigen Cliffhanger und langwierige Dialoge wie viele andere Fernsehserien. Stattdessen bringt jede Szene die Geschichte weiter, es passiert viel in kurzer Zeit, Einen Nachteil hat es allerdings. Nach den sechs Folgen, die wir mit Hanna verbringen, wissen wir dann doch nicht so richtig viel über sie, außer dass sie sich oft unglücklich in Frauen verliebt. Da braucht es auf jeden Fall eine zweite Staffel, die ihre Story weitererzählt.

Stand: 09.07.2021, 09:46