Doku: Die Verhandlung der Loveparade

Loveparade - Die Verhandlung, Dokumentation von artre

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Doku: Die Verhandlung der Loveparade

Von Emily Thomey

Am 24. Juli 2010 sterben bei der Lovaprade 21 Menschen im Gedränge, über 600 werden verletzt. Erst vor wenigen Wochen endete die juristische Aufarbeitung der Katastrophe. Der Prozess wurde ohne Urteil eingestellt. Die arte Dokumentation "Loveparade - die Verhandlung" hat den Prozess begleitet.

Am 24. Juli 2010 kommt es in Duisburg zur Katastrophe: Auf dem Festivalgelände der Loveparade stauen sich Zehntausende Menschen. 21 Menschen sterben im Gedränge, über 600 werden verletzt. Die Opfer stammen aus Deutschland, China, Australien, Spanien, Italien und den Niederlanden. Erst mehr als sieben Jahre später, im Dezember 2017, beginnt die juristische Aufarbeitung der Katastrophe. Vor wenigen Wochen wurde der Prozess ohne Urteil eingestellt. Heute erscheint eine Dokumentation, die den Prozess begleitet hat.

Die Filmemacher der Dokumentation "Loveparade - die Verhandlung" konzentrieren sich auf Protagonisten von allen Seiten: Wir hören einige der Richter, Anwälte, Verteidiger, Angeklagte und Zeugen. Wir sehen LKW-Weise Aktenordner und, dass der Raum für die Verhandlungen des sehr komplexen Prozesses auf ein Messegelände verlegt werden musste.

Richtig berührend und vor allem auch erschütternd sind die Rückblicke, die Manfred Bauknecht macht. Er war Nebenkläger im Prozess und selbst am Tag der Loveparade mitten im Gedränge. Wir sehen seine Handyvideos während er von der Katastrophe erzählt: "Nach drei bis fünf Minuten hat sich das alles dann wieder gelöst. Das erste Bild was ich dann hatte, waren die beiden Personen, die vor mir lagen. Ich hab versucht hab, sie zu beatmen aber sie sind nicht aufgewacht." Im Prozess wurden Bilder und Videos wie die von Manfred gezeigt. Die Dokumentation filmt nie während der Verhandlung, sondern interviewt vor- und nachher und zeigt Archivbilder von der Loveparade.

Der Prozess hat für viel Diskussionen gesorgt, weil es so lange gedauert hat, bis er überhaupt begonnen hat und jetzt ohne Urteil eingestellt wurde. Die Dokumentation macht das nicht verständlicher, sondern veranschaulicht vielmehr, was das Problem des Geländes war. Warum es zu dem tödlichen Gedränge kam und an welchen Stellen andere Entscheidungen hätten getroffen werden müssen.

Die Hinterbliebenen äußern Kritik an der Dauer des Prozesses und an der Wahl der Angeklagten: "Es wird nicht einfach sein, weil Justiz, Rechtssystem und Staatsanwaltschaft in Deutschland Schuld daran sind, dass die beiden Hauptverantwortlichen nicht angeklagt wurden", sagt der Vater einer Verstorbenen. Das seien Adolf Sauerland, Oberbürgermeister von Duisburg und Rainer Schaller, Besitzer von Lopavent, die Firma, die die Loveparade veranstaltet hatte. Beide tauchen lediglich als Zeugen im Prozess auf.

Zum Schluss kommen noch einmal alle Positionen zu Wort und es wird klar, dass es für die Betroffenen nicht befriedigend geendet ist. Einige arrangieren sich damit, andere bleiben spürbar wütend. Aus Sicht der Richter ist der Fall aufgeklärt und Prozessbeobachter sagen auch, in dem Prozess sei jede Frage gestellt worden und auch die Einstellung des Verfahrens sei ein legitimes Ende. Der Film bleibt damit soweit wie möglich neutral und schafft es, das Nüchterne eines solchen Prozesses visuell wirklich gut aufzuarbeiten.

Stand: 15.07.2020, 14:59