"Logan Lucky"  - Gaunerkomödie der anderen Art von Steven Soderbergh

Szene aus dem Film Logan Lucky: Die Logan-Brüder Jimmy (Channing Tatum) und Clyde (Adam Driver) weihen Joe Bang (Daniel Craig) in ihren Plan ein.

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"Logan Lucky"  - Gaunerkomödie der anderen Art von Steven Soderbergh

Von Emily Thomey

Wie Gauernkomödien funktionieren hat Soderberg mit seiner Ocean’s Trilogie bewiesen. "Logan Lucky" spielt jedoch nicht im Casino, sondern auf der Autorennbahn und die Helden sind nicht glamourös, sondern gehandicapted.

"Ocean’s 11", "Ocean’s 12" und dann "Ocean’s 13" - der Regisseur Steven Soderbergh hat ausgiebig bewiesen, dass er weiß wie Gaunerkomödien funktionieren. In der Ocean’s Trilogie mit allen den Stars von George Clooney über Brad Pitt bis Julia Roberts wählt er die elegante Variante dieses Genres: Stilvoll und klug wird hier Geld aus Casinos oder Schmuck aus Museen gestohlen.

Kann Soderbergh dem Gernre noch etwas hinzufügen?

Kann er. Mit „Logan Lucky“ hat er wieder eine Gaunerkomödie gemacht, trotzdem was Neues erzählt. Die drei Gauner in dem Streifen sind nicht gerade stilvolle, elegante Nachfolge von Clooney und Co und das ist der Trick an "Logan Lucky". Wir sind hier im Nirgendwo der Südstaaten Amerikas, Jimmy und Clyde Logan stammen aus der Working Class. Beide Brüder tragen ein Handicap mit sich rum. Clyde hat im Irakeinsatz seinen linken Unterarm verloren, arbeitet jetzt als Barkeeper und wird nicht selten gehänselt. Jimmy hätte Football-Star werden können, wäre sein Knie nicht kaputt gegangen, gerade hat wegen des hinkenden Beins seinen Job verloren. Auch sonst haben die beiden nicht viel, außer ein großes Herz - und so kitschig wie das klingt, ist es auch - Jimmy vor allem für seine Tochter Sadie.

Autorennbahn statt Casino

Mit der Mutter ist schon lange Schluss und es gibt ständig Streit - jetzt braucht Jimmy Geld, um in Sadies Nähe zu bleiben. Sein Plan: die heruntergerockte Autorennbahn ausrauben, auf deren Baustelle er gerade noch gearbeitet hat. Auf der Raubplanliste stehen Punkte wie: Shit Happens, Unerwartetes Erwarten, Nicht gierig werden oder Partner sorgfältig auswählen.
Und damit kommt James Bond alias Daniel Craig ins Spiel, der neben Adam Driver und Channing Tantum zum Staraufgebot des Films gehört. Daniel Craig ist allerdings kein schicker Agent, sondern der Knacki Joe Bang im schwarz-weiß gestreiften Häftlingsanzug, weil er einen Tresor zu viel gesprengt hat.

„Das Gesetz kannst du nur brechen, wenn du einen guten Grund hast, nicht wahr?“

Mit Joe Bang müssen auch dessen Brüder mitmachen - der eine sei schließlich Computerspezialist, weil ja heutzutage nichts mehr ohne Computer geht: „Alter, ich weiß einfach mal alles über Computer. Die ganzen Twitters und so, kenn ich alles. Aber ich und Sam wissen nicht, ob wir euch helfen können. Das Gesetz kannst du nur brechen, wenn du einen guten Grund hast, nicht wahr? Kannst ja nicht einfach irgendwo einbrechen?! Wir brauchen einen Grund mit Moral.“ Spätestens da ist klar: Der Film kommentiert ironisch-humorvoll sich selbst und das ganze Genre.

Es geht in "Logan Lucky" nicht darum, grundsätzlich überrascht zu werden, einen nie da gewesenen Film zu sehen, sondern um Popcorn-Kino und Eskapismus. Das ist nicht nur angenehm für Corona Zeiten, sondern kann trotz der leichten Unterhaltung auch als Kommentar zum Trump-Amerika gelesen werden. Im Keller der abgerockten Autorennstrecke, die nie great war, nehmen die einfachen, gutherzigen Rebellen in Robin Hood Manier, was sie brauchen.

Stand: 02.09.2020, 06:00