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Eine Reise mit der U-Bahn durch die Welt

Screenshot: "Life Underground"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Eine Reise mit der U-Bahn durch die Welt

Von Emily Thomey

Stellt euch vor, ihr steigt in Köln, Bremen oder in Berlin in die U-Bahn ein und könnt einfach durchfahren bis nach Paris, Los Angeles oder Taipei - und dabei erzählen euch Menschen aus ihrem Leben. So ungefähr müssen wir uns das preisgekrönte Webprojekt "Life Underground" vorstellen.

Wenn man die Webseite von Life Underground aufruft, dann erscheint eine große Weltkarte. Auf der kann man entweder auswählen, einfach so ohne Regeln auf die Reise zu gehen, oder man sucht sich vorher ein Thema aus, über das die Menschen, denen man auf der Reise begegnen wird, reden. Die Themen reichen von Liebe, Träume, Migration bis hin zu Jugend, Altern oder Arbeit. Unter den Träumern taucht zum Beispiel der junge Koch Ben auf, der bald von Paris nach London zieht, wo er niemanden kennt. Ben erzählt, dass sein Ziel ist, eine Katze zu sein und gleich sieben Leben zu leben. Jedes Jahr ein neues Land zu bereisen, eine neue Sprache zu sprechen, ein neues Instrument zu lernen und ein neues Zuhause zu finden.

Die Themen von "Life Underground" sind sehr persönlich und groß, trotzdem schafft es Hervé Cohen, der Filmemacher, der hinter diesem Webprojekt steckt, dass die Menschen ihm sehr offen antworten. Per aus Stockholm erzählt beispielsweise von einer traurigen Liebesgeschichte aus seinem Leben, als er noch sehr jung war. Die Frau mit der er zusammen war, war älter als er, hatte schon zwei Töchter, die drei haben zusammengewohnt und die Frau wollte Per heiraten. Leider hat sie ihn kurz vorher betrogen und das, sagt Per, konnte er ihr damals nicht verzeihen. Ich wollte sie bestrafen, als sie mir nach dem Betrug einen Antrag gemacht hat, erzählt Per, und einfach "Nein!" sagen. Jetzt bereut er, dass er damals nicht in der Lage war, den Betrug zu verkraften, weil diese Frau im Rückblick die große Liebe gewesen ist.

In "Life Underground" sitzen wir mal in der U-Bahn neben den Protagonisten, sie sprechen uns aber nicht direkt an, sondern wir hören quasi ihre innere Stimme. Auf dem Bahnsteig auf die nächste U-Bahn zu warten ist an sich auch schon spannend, weil die U-Bahnen Systeme so unterschiedlich aussehen. In Paris sieht man natürlich auch mal Breakdancer im engen Gang der U-Bahn, oder, dass sich letztlich alle Menschen ähnlich verhalten - egal ob in Tokio, Lausanne oder Santiago: Sie sitzen, unterhalten sich oder schauen aufs Handy. Ein sehr gelungenes poetisches und interaktives Panorama von Menschen weltweit. Falls man irgendwann keine Lust mehr hat zuzuhören, kann man sich auch einfach neben den Fahrer setzen, vorne in der U-Bahn mitfahren und sich die Landschaft angucken.

Stand: 07.12.2018, 06:30