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"Searching Eva" und "Der perfekte Run"– die Dokus unserer Generation

Searching Eva

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Searching Eva" und "Der perfekte Run"– die Dokus unserer Generation

Von Nele Posthausen

"Krass Drauf" ist eine Dokumentarfilmreihe im ZDF über junge Menschen am Limit. Mit "Searching Eva" zeigt sie die Geschichte der Sexarbeiter*in, Model und Blogger*in Eva und "Der perfekte Run" erzählt vom harten Training dreier Leistungssportler*innen.

"Searching Eva": Sexarbeiter*in, Model, Blogger*in

Die Reihe "Krass Drauf" zeigt uns gerade in der ZDF-Mediathek aber noch ganz andere, krasse Lebensrealitäten von jungen Menschen. In "Searching Eva" lernen wir eine Sexarbeiter*in in Berlin kennen, wobei das zu wenig gesagt ist. Eva Collé ist Sexarbeiter*in, Model, Blogger*in, non-binary, sieht immer aus, als hätte man Eva gerade frisch aus dem VICE-Magazin ausgeschnitten.

Eva heißt mit echtem Namen nicht Eva. Und Eva ist ein junger Mensch aus Italien, der dem Schrecken des Patriarchats mitten in seine hässliche Fratze schaut: "Vor ein paar Tagen hat sich eine Frau in dem Ort, in dem ich geboren bin, umgebracht. Jemand hatte ein Video, in dem sie Oral-Sex mit einem Mann hat, ins Netz gestellt. Es ging viral, ohne dass jemand etwas dagegen getan hätte. Und da fragen mich Leute ernsthaft noch: "Warum gehst du nicht zurück nach Italien?"

Jeden Tag ein neues Ich

Eva bleibt in Berlin, konsumiert harte Drogen, wie es schon die Eltern getan haben, wird von der Internetgemeinde, den Follower*innen gehasst und geliebt und beschließt, niemals nur einer Identität anhaften zu wollen. Die Filmemacherinnen Pia Hellenthal und Giorgia Malatrasi halten die Kamera drauf, zitieren die Sprüche der anderen, begleiten dieses Leben der Extreme über fünf Jahre lang.

Heimat, Herkunft, Identität?

Der ständige Bruch in Evas Identität berührt: mal sympathisieren wir Zuschauer*innen, halten Eva womöglich für die schlauste feministische Philosoph*in überhaupt, dann schockt Eva uns. Wie dieser Mensch sich zu Grunde richtet! Und dann wirkt alles wieder nur wie schnöde Inszenierung. Heftige Bilder und eine Anregung zum heiligen, familiären Weihnachtsfest nochmal ganz anders über Heimat, Herkunft und Identität nachzudenken.

Der perfekte Run

"Der perfekte Run": Snowboarden am Limit

Dank Mattscheibe ein bisschen Winter-Urlaubs-Feeling trotz aller Reise-Verbote: "Der perfekte Run" heißt die Doku, die uns mit in Schnee und Eis nimmt. Denn das ist der Ort, an dem Celia, Filip und Umito ihren Traum verfolgen: Medaillen gewinnen mit Snowboard-Cross. Vier Fahrer, eine Strecke, bis 80 Kilometer pro Stunde den Berg runter und immer den Sieg vor Augen.

Snowboarden als Chance

Für Filip ist das alles, was zählt: "Man kämpft dafür, man tut alles dafür und wenn es nicht funktioniert, fragt man sich immer: woran hats gelegen." Während er mit seinen Team-Kollegen aus der deutschen Nationalmannschaft die Saison mit Weihnachtsmarkt und Wahrheit oder Pflicht-Spielen ausklingen lässt, kommen aber auch nachdenklichere Töne auf. Was würden die Jungs eher aufgeben, Alkohol oder das Snowboarden? Also, wenn sie müssten? Umito kommt ins Grübeln. "Ich habe halt bisher immer den Sport aus einem komplett anderen Blickwinkel gesehen. Als eine Chance, sein Wissen zu erweitern vielleicht", sagt er später. Und auch für Celia läuft nicht alles nur rund. Die Familie fehlt. Die Zwillingsschwester hat sich gegen den Leistungssport entschieden. Celia scheint ihren 16. Geburtstag allein im Ski-Internat feiern zu müssen.

Drei Sportler*innen, drei Herangehensweisen

Drei Sportler*innen und drei ganz unterschiedliche Herangehensweisen stellt uns der Film von Lea Becker vor. Es ist ein kritischer Blick auf Leistungssport. Gerade Snowboarden, eine Sportart, die bei uns oft unter "Fun-Sport" läuft, lernen wir neu kennen. Hier zeigt uns "Der perfekte Run", dass die Athlet*innen genauso harte, körperliche Arbeit leisten, wie Turner oder Sprinterinnen. Gleichzeitig bekommen wir auch viele elegante Abfahrten und spannende Wettkampfszenen in den riesigen, verschneiten Gebirgslandschaften von Österreich, der Schweiz und Bayern gezeigt. Dazu ein Soundtrack, der uns wegträgt, in Gedanken, die 2020 vielleicht schon als verloren galten.

Stand: 23.12.2020, 08:00