Schlägertyp Manni (Bjarne Mädel) bei Kranitz (Jan Georg Schütte)

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

2. Staffel von "Kranitz - Bei Trennung Geld zurück"

Stand: 25.11.2022, 16:05 Uhr

Keine ausgeschriebenen Dialoge, kein fertiges Skript - die improvisierte Serie "Kranitz - Bei Trennung Geld zurück" und die zweite Staffel ist noch abgefahrener als die erste.

Von Emily Thomey

 

Stellt euch mal vor, ein Regisseur dreht eine Serie und schreibt kein Drehbuch. Klingt völlig verrückt. Tatsächlich ist Improvisation aber im Fernsehen immer häufiger zu sehen. Gleich mehrere deutsche Serien lassen ihre Schauspielenden ohne ausgearbeitete Skripte vor die Kamera. Und das mit Erfolg. Sämtliche Impro-Serien bekommen ihre zweite Staffel wie "Die Discounter", "Das Begräbnis" - und so auch die Serie "Kranitz - Bei Trennung Geld zurück" von Jan Georg Schütte. In der ARD läuft diese Woche nun die zweite Staffel der Impro-Comedy an.

Man muss die erste Staffel von Kranitz nicht gesehen haben, um die zweite zu verstehen, weil die einzelnen Folgen nicht wirklich aufeinander aufbauen. In jeder Folge kommt ein Paar zu dem Paartherapeuten Klaus Kranitz in die Praxis, weil sie irgendeine Art von Problem miteinander haben. Sie zahlen dann 1.500 € für drei Sitzungen und Kranitz garantiert, dass sie am Ende dieser drei Sitzungen wieder glücklich miteinander sind, sonst bekommen sie ihr Geld zurück. Auch die zweite Staffel funktioniert so, allerdings gibt es hier eine kleine Rahmenhandlung, die sich durch die ganze Staffel zieht.

So wie in der ersten Staffel taucht immer wieder der Schlägertyp Manni bei Kranitz auf, gespielt von Bjarne Mädel, der eine Art Freund ist und hin und wieder auch dreckige Geschäfte für Kranitz erledigt. In Staffel zwei beginnt die Zusammenarbeit mit einer Dating-App, wie Kranitz erklärt: "Mein Plan ist: Ich werde eine App entwickeln, bei der die Leute keine Bilder mehr eingeben, sondern nur ihre Daten. Dann kommt das in einen Algorithmus, den ich entwickelt hab. So ein paar Fragen. Und dann spuckt das dir einen Partner aus. Mit dem triffst du dich dann mit meiner Begleitung. Kranitz Dating. Krating. Meine App." Klingt wie eine bescheuerte Idee - ist es auch. Trotzdem hilft Manni Kranitz dabei, die App zu entwickeln, aber vor allem schafft es Kranitz auch in dieser Staffel jedes Mal die unglücklichen Paare wieder zusammen zu bringen.

Mal ist es sein Vater, der mit seiner wesentlich jüngeren Assistentin eine Beziehung angefangen hat und unter Impotenz leidet. Oder Noah und Celine, die über die Betaversion der Krating App bei Kranitz gelandet sind und erst mal gar nicht zusammen passen, weil Celine als extrovertierte, sexuell aktive Frau den schüchternen, unerfahrenen Noah total langweilig findet. Aber Kranitz findet in allen Fällen immer eine Lösung und sei sie noch so ungewöhnlich - die 1.500 € muss er nie zurückzahlen.

Auch wenn wir als Zuschauende wissen, dass immer alles gut ausgeht, besteht der Reiz der Serie darin, dass alles, was passiert und gesagt wird, letztlich improvisiert ist. Die Schauspielenden haben im Vorfeld keine fertigen Dialoge bekommen, sondern besprechen zusammen mit Jan Georg Schütte, der sich das alles ausgedacht hat und Klaus Kranitz selbst spielt, die Biografien der Figuren, die sie spielen. All das, was dann gesagt und getan wird, entsteht im Moment. Das ist im Fall von der zweiten Staffel von Kranitz noch skurriler und abgedrehter als in der ersten Staffel, aber unterhaltsam und lustig.