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Die Doku "Das Kongo Tribunal" zeigt das Ausmaß des Krieges im Kongo

Das Kongo Tribunal, Videostill aus der Dokumentation

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Die Doku "Das Kongo Tribunal" zeigt das Ausmaß des Krieges im Kongo

Von Emily Thomey

Der Dokumentarfilm durchleuchtet anhand eines Tribunals vor Ort im Ostkongo und in Berlin die Gründe und Hintergründe für den seit bald zwanzig Jahren andauernden Krieg im Gebiet der Afrikanischen Großen Seen.

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der reichsten Länder der Welt, wenn es um Rohstoffe wie Gold oder das seltene Erz Coltan geht. Beide Stoffe werden in allen unseren Handys verarbeitet. Die Demokratische Republik Kongo ist aber gerade deswegen auch ein Kriegsland, in dem Milizen gegen die Armee kämpfen und Millionen Menschen, unter ihnen unzählige Zivilisten, sterben. Bisher bleiben die meisten dieser Gräueltaten unbestraft.

Der Theaterregisseur Milo Rau hat 2015 ein fiktives Tribunal inszeniert. Den Film dazu können wir jetzt auf arte sehen. Ein Tribunal, wie es Milo Rau im Kongo und später auch in Berlin auf die Bühne gebracht hat, läuft ab wie ein Gerichtsprozess mit Richtern, Anwälten und geladenen Zeugen. Angeklagt waren kongolesische Regierungsvertreter und multinationale Konzerne, die vor Ort Gold- und Coltan-Minen betreiben. Diese Konzerne wie Banro können Menschen von ihrem Land vertreiben, enteignen, zahlen keine Steuern und schüren die Konflikte zwischen den Stämmen in ihren Abbaugebieten.

Das alles machen sie ohne Sorge deswegen bestraft zu werden, sagt die Menschenrechtsexpertin Miriam Saage-Maass: "Ich denke, dass zur Zeit transnationale Unternehmen sich in einem Raum der Straflosigkeit bewegen. Das heisst, sie wissen, sie können agieren, sie können Menschenrechte verletzen und die Wahrscheinlichkeit, dass sie dafür belangt werden, ist unglaublich gering."

Das ist einer der Gründe, warum es das Tribunal gibt: Um zumindest schon mal symbolisch die Missstände und Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu benennen. Abgesehen von den Konzernen sind auch kongolesische Regierungsvertreter angeklagt, weil ihre Armee und die Polizei die Zivilisten, die Bürger des Kongo nicht ausreichend schützen.

Im Tribunal wird der Fall eines Massakers in dem Ort Mutarule behandelt. Damals sind erst nach drei Tagen überhaupt Vertreter der Regierung am Ort des Massakers aufgetaucht. Auf die Frage, ob man die Regierung wegen unterlassener Hilfeleistung anklagen solle, fragte der damals zuständige kongolesische Innenminister Jean-Julien Miruho im Tribunal: "Wer käme auf die Idee, den kongolesischen Staat zu verklagen?" Damit bestätigt er, dass auch der kongolesische Staat sich straffrei sieht - ähnlich wie auch die anderen Profiteure des Bürgerkrieges: die Konzerne.

Wenn das Kongo Tribunal nur ein fiktiver Gerichtsprozess ist und wie ein Theaterstück aufgeführt wird, wie real sind die Zeugen, die Berichte und vor allem: Was ist das Ergebnis eines solchen Tribunals? Alle Aussagen sind von realen Personen zu realen Ereignissen. Die Anwälte und Richter spielen ebenfalls sich selbst und bei der Aufführung im Kongo waren auch einige der Regierungsvertreter wie jener Innenminister dabei.

Auch, wenn das Tribunal nur fiktiv ist, also nicht rechtskräftig verurteilen kann, hat es reale Folgen: Zum einen werden die Gräueltaten öffentlich benannt, die Schuldigen ausgemacht und auch verurteilt. Der schon genannte Innenministers Miruho wurde kurz nach dem Tribunal von all seinen Funktionen sogar entlassen. Der Film ist ein wunderbares Dokument für alle unter uns, die bei diesen großartigen Theateraufführung nicht dabei sein konnten.

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Stand: 28.11.2018, 12:30