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Doku: Wie Erziehung in der rechten Szene funktioniert

Screenshot aus der arte Dokumentation "Kleine Germanen"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Doku: Wie Erziehung in der rechten Szene funktioniert

Von Emily Thomey

Der Gedanke, dass rechtsextreme Ansichten nur in bildungsfernen Familien vorkommen, ist eine Illusion. Die Wahlergebnisse der AfD belegen immer wieder, dass demokratiefeindliches Denken weiter verbreitet ist, als uns vielleicht liebt ist. Woher kommt dieses Denken? Wie viel davon ist schon über die Erziehung in den Köpfen von Kindern gepflanzt worden? Und wie sieht diese Erziehung aus? Die arte-Dokumentation "Kleine Germanen" zeigt, was es heißt von Kindesbeinen an dazu erzogen zu werden, das Fremde zu hassen.

In der Dokumentation kommen führende Köpfe der Neuen Rechte, der Identitären Bewegung oder von Pegida zu Wort. Sie erzählen ganz offen von ihren Erziehungsmethoden. Disziplin sei wichtig und, dass die Eltern als Autoritäten anerkannt werden. Sich um die Kinder zu kümmern sei das Wichtigste, sagt Sigrid Schüßler.

Das klingt erstmal harmlos, aber Schüßler ist ehemalige NPD-Funktionärin und stand schon wegen Volksverhetzung vor Gericht, weil sie Sachen sagt wie: "Wie man eure Kinder in der Schule belügt, wie man sie kaputt macht mit einer ekelhaften, widerwärtigen, unnatürlichen Frühsexualisierung, wie man den Homokult in diesem Land hochleben lässt, wie man die Familie zerstört."

Neben den Interviews über Erziehungsfragen und den Ausschnitten, in denen die menschenfeindlichen, faschistischen Weltbilder deutlich werden, sehen wir noch die animierte Lebensgeschichte von Elsa. Elsa wächst in einer nationalsozialistisch geprägten Familie auf, wird selbst Neonazi, später Mutter von zwei Kindern und Teil einer Lebensgemeinschaft auf dem Land, in der rechtes Gedankengut und Fremdenhass kultiviert wird.

Exremismusforscherin Dr. Michaela Köttig sagt, Elsas Biographie zeige exemplarisch, wie sich über die Jahrzehnte nach dem dritten Reich die Erziehungsmethoden und Weltbilder zwar den aktuellen Debatten angepasst haben, aber im Grunde ähnlichen Grundprinzipien folgen. "Den Kindern wird immer vermittelt: Wir sind kurz vor einer Katastrophe. Also, dass dieses Wir mit einer Angst verbunden wird, dass man von jetzt auf gleich alles hinter sich lassen kann. Die kriegen beigebracht, dass sie ungebunden bleiben mit der Umgebung."

Binden darf man sich nur an Leute aus den eigenen Reihen. Das macht einen Ausstieg umso schwerer, weil das soziale Netz dann ganz weg bricht. Oder schlimmer noch: Man wird von den ehemaligen Verbündeten verfolgt und bedroht.

Die Dokumentation bietet einige Lösungsvorschläge. Ein Aussteiger berichtet, dass er durch einen Auslandsaufenthalt abgerückt ist von seinen rassistischen Ansichten. Aber auch von staatlicher Seite ist es wichtig, die rechtsextremen Strukturen zu sehen und zu bekämpfen. So gibt es beispielsweise heute noch Ferienlager, in denen rechtsextreme Netzwerke ihre Kinder unterbringen. Die Dokumentation "Kleine Germanen" vermittelt also sehr anschaulich wie rechtsextreme Erziehung funktioniert und was dagegen getan werden kann.

Stand: 20.11.2019, 11:08