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"Kevin Can F*** Himself" - eine Sitcom-Satire

Szene aus der Sitcom-Satire "Kevin Can F*** Himself": Allison (Annie Murphy) sitzt auf dem Sofa neben dem zockenden Kevin (Eric Petersen)

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Kevin Can F*** Himself" - eine Sitcom-Satire

Von Emily Thomey

Eine Sitcom-Satire in der Form hat es noch nicht gegeben und sie tut so gut: Endlich nehmen die Charaktere Rache, über die im TV-Klassikerformat in den letzten 80 Jahren am meisten gelacht wurde.

Das Genre Sitcom ist schon richtig alt. Fast schon 80 Jahre gibt es dieses Comedy-Fernsehformat, in dem eine kleine Gruppe an Charakteren freiwillig und unfreiwillig komisch ist. Es gibt so viele, irgendeine hat jede*r mal gesehen - friends, Black-ish, How I Met Your Mother oder ganz neu: "Kevin can F*** Himself". Letztere ist gerade bei Amazon angelaufen und eine Satire, was sich nur im ersten Moment mit der Idee von Sitcom beißt. Die Serie macht dir erstmal unmissverständlich klar, wie sehr sie eine Sitcom ist.

Sie spielt vor allem im kulissenhaften Wohnzimmer, der Küche oder dem Schlafzimmer von Allison und ihrem unfassbar nervigen Ehemann Kevin. Während Allison von etwas Veränderung träumt und dafür die Ersparnisse nutzen will, ist Kevin total zufrieden damit, sich von seiner Frau bedienen zu lassen, Computer zu spielen oder sich mit seinem Vater und Kumpels Baseball oder Football anzuschauen. Die Rollenverteilung nervt: Die Ehefrau, auf deren Kosten Witze gemacht werden - dazu Lacher aus der Dose, das Sitcom-Klischee. Aber wenn Allison alleine ist, wechselt das Licht von hell und bunt zu grau und düster, die Lacher verschwinden und wir sehen, wie unglücklich Allison ist. Es sind also nicht die Witze an sich satirisch böse, sondern das Konzept an sich.

Die Witze sind im normalen Sitcom-Klischee richtig billig und überhaupt nicht lustige, sexistische Schenkelklopfer aus dem letzten Jahrhundert, die wir aber leider haufenweise aus Sitcoms kennen. In dem düsteren Part der Serie realisiert Allison, dass sie ihr Leben ändern will. Richtig fiese Pläne entwickelt sie, als sie von ihrer Nachbarin hört, dass Kevin alle Ersparnisse aufgebraucht hat. Ihre Mord-Fantasien ihrem Ehemann gegenüber werden immer drastischer und damit sind wir mitten in einer "Was ist der perfekte Mord?"-Geschichte.

Richtig gut funktionieren die eindimensionalen Figuren wie Kevin oder sein noch dümmerer Freund Neil, auch wenn die sexistischen Witze schwer zu ertragen sind. Die Serie erinnert stark an die Sitcom "Kevin Can Wait", in der die Ehefrau des Hauptcharakters stirbt und die Serie dafür auch kritisiert wurde. Aber auch ohne die Vorlage zu kennen, ist es erfrischend, dass in "Kevin Can F*** Himself" die Frauen sich als Charaktere entwickeln dürfen und endlich Rache nehmen. Richtig gut wirkt, dass die beiden Frauen im Zentrum: Allison und Patty sich zu Anfang nicht ausstehen können, das bringt Spannung in die manchmal vorhersehbar erzählte Idee. Letztlich haben die Seriemacherinnen in der zweiten Staffel die Chance, ihr Konzept noch zu verfeinern - die Fortsetzung wurde schon eingekauft. Aber auch die erste Staffel lohnt sich schon.

Stand: 01.09.2021, 16:15